“Heute beginnt nicht nur eine Reise, sondern ein Lebensabschnitt!”

18. Mai 2008

Unsere 60 MZ-Reisegeschichten erzählen das, woran wir uns immer wieder erinnern möchten. Beim Lesen sollt Ihr den Auspuffqualm der alten MZ-Motorräder riechen können, wenn sie mit uns über die Riesengebirge Asiens knattern. Ihr sollt genauso gerührt sein von den verschiedenen Menschen, die uns unterwegs begegnet sind. Und Ihr sollt dieselbe Gänsehaut bekommen – vor Freude, Sehnsucht, Spannung oder Betroffenheit. Lasst Euch wie wir auf das eMMenreiter-Abenteuer ein: auf unwirkliche Landschaften, fremde Lebensumstände und die Einfachheit des Glücks. Fangen wir vor der heimatlichen Haustür an…

 

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MZ: Echt ein Renner!

2. Juni 2008

Ahhh… Em Se!
Wir hatten es vermutet und merken schon nach zwei Wochen unserer Reise: Mit den alten MZ-Motorrädern haben wir die Sympathie auf unserer Seite. Ob bei der Verabschiedung in unserer Heimat, beim Zwischenstopp in Tchechien, bei den Slowaken, in Ungarn, den rumänischen Karpaten oder an der Schwarzmeerküste in Bulgarien: die Emmen erregen Aufsehen. Oft sprechen uns junge und alte Männer direkt auf die Motorräder an und so finden wir über nur zwei Buchstaben schnell Kontakt zu den Leuten: „Em Se (MZ), good Maschina!“

“I have no words…!”
Als Reisende auf dem Motorrad wird uns während der Fahrt oft zugewunken, zugelacht, gehupt oder alles gleichzeitig. In Brasov in Rumänien werden wir sogar gefilmt. Oft bemerken die Leute erst beim zweiten Hingucken, dass es sich um ein Motorrad handelt, dass sie selbst noch aus alten Zeiten kennen, in denen ihr Heimatland und die DDR noch sozialistische Bruderstaaten waren.

Bei der Abreise vom Restauranthof in Ungarn kam der eher reservierte Gastwirt regelrecht herausgestürmt, als er die vertrauten Klänge (oder war es doch der Geruch) hörte. Er strahlte uns aus der blauen Dunstwolke an wie ein kleiner Junge, hielt beide Daumen nach oben und wünschte uns im Vorbeifahren eine gute Reise.

Auch Vasili vom Zeltplatz nahe Sibiu hatte früher selbst eine MZ 175er ES. Leider war die Ersatzteilversorgung in Rumänien bescheiden und so wurde oft improvisiert. Bei seinem Zschopauer Eisenschwein musste bspw. ein Trabikolben als Ersatzteil herhalten – mit dem Nebeneffekt, dass seine MZ nun mehr 300 ccm Hubraum hatte, erzählte er uns grinsend.

Ein paar hundert Kilometer weiter in Ploiestri hielt ein roter VW neben uns. Der Fahrer guckt auf die beladenen Emmen und fragt erstaunt: „You are Globetrotter?“ Als wir beide nicken, erzählt er uns, dass er selbst Motorrad fährt, heute eine Yamaha, und als Mechaniker arbeitet. Aus Zeitgründen sei er leider nur ein „Sunday Biker“. Als wir unsere geplante Reiseroute zeigten, konnte er es kaum glauben: „I have no words!“ Nach kurzem Fachsimpeln mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Englisch verabschieden wir uns. Für den Fall, dass wir Hilfe brauchen, drückt er uns noch schnell einen Zettel mit seiner Adresse und Telefonnummer in die Hand.

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Fit fürs Abenteuer: MZ-Umbauten im Test

26. Juli 2009

abenteuer

 

Nach 34.000 Kilometern unterwegs in Eurasien ist es Zeit für ein technisches Resümee: Welche Umbauten an der MZ haben sich bewährt?

Besser gefedert
…durch verstärkte Telegabelfedern und Begrenzung des Ausfederweges
Testurteil: Federn sehr gut, Ausfederbegrenzung ggf. verbesserbar

Volle Gepäckbeladung und schlechte Straßen erfordern eine bessere Federung der MZ. Absolut empfehlenswert sind Gabelfedern von Wirth. Die Wirth-Federn sind etwas länger, bestehen aus einem stärkeren Material und federn progressiv, d.h. sie sind am Ende enger gewickelt. Zur besseren Abdichtung sollten unbedingt Simmerringe mit Doppellippe und ein hochwertiges Gabelöl verwendet werden, beides ebenfalls erhältlich bei Wirth. Unserer Erfahrung nach ist mit den Wirth-Federn ein Durchschlagen der Federung unmöglich. Sie sind straff und dennoch komfortabel bei gutem Ansprechverhalten.

Einen Nachteil haben verstärkte Telegabelfedern allerdings: Das bekannte Problem des Rückschlagens beim vollen Ausfedern der Gabel wird damit noch verstärkt. Da die Telegabel der MZ nur an zwei sechser Bolzen hängt, die im schlechtesten Fall ausbrechen und die Reise damit beenden können, ist es unbedingt notwendig, die Gabel am vollen Ausfedern zu hindern.

zurrgurt-oben zurrgurt-unten zurrgurt-gesamt

Befestigung der Zurrgurte an der Telegabel

Unser Tipp zur Begrenzung des Ausfederweges: Am einfachsten und effektivsten begrenzt man den Ausfederweg mit einem stabilen Zurrgurt. Die Enden des Gurtes werden mit zwei Löchern versehen. Diese sollten einen Durchmesser von 6 mm (unten) bzw. 8 mm (oben) und einen Abstand von ca. 34 cm zueinander haben. Die Gurtenden und Löcher werden vor der Montage, z.B. mit Hilfe eines Feuerzeuges, leicht erhitzt und somit versiegelt. Der Zurrgurt wird dann OBEN mit der Klemmschraube der Telegabel an der Gabelbrücke (Blinkeraufnahme) und UNTEN mit der hinteren Kotflügelschraube am Gleitrohr der Telegabel befestigt. Möglichst großflächige Unterlegscheiben minimieren das Risiko des Ausreißens.

Falls das Problem unterwegs auftritt, kann auch ein fester Gummi(zurr)gurt verwendet werden. Der Gurt wird über die Gabelbrücke (rechts oder links neben dem Scheinwerfer) gelegt und beide Enden unten an der Aufnahme für die Kotflügelschraube eingehängt. Alternativ kann ein Ende des Gurtes auch am Lenker befestigt werden und das andere Ende dort, wo das Schutzblech ans Gleitrohr geschraubt ist. Diese Notlösung ist allerdings nicht von Dauer, denn besonders bei der letztgenannten Variante scheuern die Gurte schnell durch.

…und längere, härtere Federbeine am Hinterrad
Testurteil: Nicht perfekt, aber besser als die Standardfederbeine

Durch die längeren und härteren Gabelfedern am Vorderrad steht das Motorrad vorne etwas höher. Um diesen Nachteil auszugleichen, entschieden wir uns für Federbeine der MZ ETZ 251/301, die etwa 10 bis 15 mm länger sind. Sie sind über die Firma Schwarz-Federn erhältlich.

Die Federbeine der MZ ETZ251/301 wurden zusätzlich durch härtere Federn und dementsprechend angepasste Dämpfung (Verwendung anderer Ventile) modifiziert. Die Firma Schwarz-Federn kann nach Anfrage solche modifizierten Federbeine liefern.

Ein Durchschlagen der Federung am Hinterrad können wir damit zwar nicht immer vermeiden, jedoch erheblich reduzieren.

Räder gut gelagert
…mit beidseitig abgedeckten Radlagern

Testurteil: Sehr empfehlenswert

Saubere und gut geschmierte Radlager halten länger. Und die Verschmutzungsgefahr auf so einer Reise ist groß, insbesondere bei Wasserdurchfahrten. Daher empfehlen wir beidseitig abgedeckte Lager (Doppel Z/ RS), am besten mit Kunststoff-Abdeckung. Solche Lager lassen sich mit einem kleinen Schraubendreher leicht öffnen und sind daher besser zu prüfen und zu warten. Die mit Metall abgedeckte Variante lässt sich unserer Erfahrung nach nicht öffnen, ohne die Abdeckung zu zerstören. Sind die Kugeln und der Lagerkäfig einsehbar, muss man sich bei der Prüfung nicht nur auf sein Gehör verlassen und die Lager können bei Bedarf nachgefettet werden.

radlagereinsicht Geöffnetes Radlager mit Kunststoff-Abdeckung

Keine Speiche in der Bremstrommel
…dank der Fixierung der Speichen mit Panzertape

Testurteil: Hilfreicher Trick mit kleinem Nachteil

Unterwegs hatten wir besonders bei Michaels MZ öfter das Problem, dass die alten Speichen im Hinterrad ausgebrochen sind. Nicht die Speiche selbst, sondern die Speichennippel waren die Schwachstelle. Eine lose Speiche, die man nicht immer sofort bemerkt, kann sich schnell in die Bremstrommel ziehen und dort größeren Schaden anrichten.

speiche fixierung speiche-kaputt

1. Gebrochener Nippel, 2. Fixierung, 3. Speichenreste aus der Bremstrommel

Um das zu verhindern, hat sich Panzertape bewährt. Damit haben wir überall dort, wo sich ein Speichenpaar kreuzt, die Speichen miteinander fixiert. So muss eine lose Speiche nicht direkt an Ort und Stelle ausgewechselt werden, um Schlimmeres zu verhindern. Bei dem Trick mit der Panzertapefixierung müssen die Speichen allerdings genauer geprüft werden, weil damit ein gebrochener Speichennippel schwerer erkennbar ist.

Guter Grip auf jeder Strecke
…mit der Armeestolle von Heidenau

Testurteil: Sehr gut, 34.000 km plattfußfrei

Eine gute Bereifung erklärt sich von selbst. Die Räder hatten wir zu Beginn der Reise mit Enduroreifen von Heidenau bestückt. Dasselbe Stollenprofil kam damals bei den NVA-Modellen zum Einsatz und hat sich auch auf unserer Tour über alle Pisten hervorragend bewährt. Wir mussten die abgefahrenen Hinterreifen bei beiden MZ nach über 18.000 Reisekilometern das erste Mal wechseln. Auf der ganzen Tour  hatten wir außerdem keinen einzigen Plattfuß!

Reifen vorn: 3.00 – 18 M/C Enduro K41
Reifen hinten: 3.50 – 18 M/C Enduro K37

Damit sich kein Schlamm zwischen Reifen und Schutzblech sammelt, der das Vorderrad blockieren könnte, wurden die vorderen Schutzbleche einige Zentimeter nach oben versetzt.

reifen-schutzblech Stolle und höheres Schutzblech

Gut geschmiert: Das richtige Gemisch
1 Liter Benzin, 25 ml ÖL und etwas Bleiersatz

Testurteil: Kein Kolbenklemmer, gesundes Motorengeräusch

Unsere MZ sind immer mit einer Benzin-Öl-Mischung von 1:40 unterwegs. Außerdem geben wir bei jeder zweiten Tankfüllung eine Kappe Bleiersatz (von LiquiMoli) dazu. Zwar dient Bleiersatz in der Regel dem Schmieren der Ventile älterer Viertaktmotoren (z.B. beim VW Käfer oder VW Bulli), die beim Zweitakter ja nicht vorhanden sind, aber bei der teilweise hohen Belastung der Emmenmotoren haben wir uns dennoch dafür entschieden. Das Mehr an Schmierung pflegt insbesondere das untere Pleuellager.

Die manchmal schlechtere Benzinqualität hat den MZ-Motorrädern nicht geschadet. Sie geben sich notfalls auch mit 72 Oktan zufrieden. Wenn kein Zweitakteröl erhältlich war – bspw. in Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan – verwendeten wir problemlos normales 10 oder 15 W 40 Öl. Vor Abfahrt muss dann nur der Tank einmal geschüttelt werden.

reservekanister Kanister im Alukoffer

Für Länder wie Tadschikistan und Iran, in denen Strecken mit bis zu 700 Kilometern ohne Tankmöglichkeit überbrückt werden müssen, haben wir zwei 20-Liter-Stahlkanister der Bundeswehr für Reservebenzin dabei. Diese Kanister schließen bestens ab und lassen sich gefahr- und geruchlos in den Alukoffern verstauen.

Die Emme fest im Griff
…durch einen breiteren Endurolenker

Testurteil: Sehr gut

Für ein besseres und sicheres Handling der MZ, insbesondere beim Offroadfahren und mit voller Beladung, ist ein EndurolenkerPlastikschalen von Acerbis montiert. (Crosslenker) mit einer Breite von etwa 870 mm und einer Höhe von etwa 110 mm von großem Vorteil. Der Lenker, erhältlich z.B. bei Hein Gericke, schafft außerdem eine angenehmere Sitzhaltung – vor allem in Verbindung mit einer erhöhten Sitzbank (siehe: Bequem im Sattel). An die Enden des Lenkers haben wir zum Schutz für Hände und Hebel die bereits bewehrten, stabilen

lenkerschutz Acerbis-Schalen am Endurolenker

Fit für die Höhe
…mit tieferer Vergasernadel und durchlöchertem Luftfilterdeckel

Testurteil: 4.700 Höhenmeter bezwungen

Weniger Sauerstoff in der Luft macht sich schon ab einer Höhe von zweitausend Metern durch verringerte Motorenleistung bemerkbar. Die MZ ETZ 250 ist relativ höhentauglich. Aber bei einem Zwanzig-PS-Motor kann bereits ein geringer Leistungsabbau die Fahrt über steile, steinige Bergpässe erschweren.

Um zu verhindern, dass der Motor in der Höhe zu viel Kraftstoff bekommt, wird die Nadel im Vergaser möglichst tief gehängt (oberstes Kerbenpaar). Alternativ oder zusätzlich hilft eine kleinere Hauptdüse (25 statt 30er). Die hatten wir allerdings nicht ausprobiert.

Parallel dazu wird der Metalldeckel des Standard-Papierluftfilters ringsum am äußeren Rand mit Löchern versehen, die den Luftdurchsatz erhöhen. Damit kann der Motor wieder besser „atmen”. Wir bohrten ungefähr 20 Löcher mit 6 mm Durchmesser in den Deckelrand, obwohl wir mancherorts noch mehr bzw. größere Löcher hätten vertragen können.

luftfilterdeckel deckelschutz

Luftfilterdeckel: 1. Löcher teilweise abgeklebt, 2. mit Stoff überzogen

Vor der Montage zieht man einen reißfesten Nylonstrumpf über den durchlöcherten Luftfilterdeckel, um Staub abzuhalten. Je nach Bedarf bzw. Höhe sind die Löcher im Luftfilterdeckel, z.B. mit Panzertape, leicht wieder verschließbar.

Mit der kleinen Modifikation an Vergasernadel und Luftfilterdeckel sowie einem 15er-Antriebsritzel sind unsere Maschinchen im ersten und zweiten Gang als erste MZs über die höchstgelegene Landesgrenze der Welt geknattert: dem rund 4700 Meter hohen Khunjerab-Pass zwischen China und Nordpakistan!

Immer gute Sicht
…bei Lampen mit stärkerer Lichtausbeute

Testurteil: Bedingt empfehlenswert

Gutes Licht heißt gute Sicht. Obwohl wir Nachtfahrten möglichst vermeiden, sind helle Lampen auch bei Staub- und Regenfahrten hilfreich. Die vor Abreise eingebauten, teuren OSRAM Leuchten mit versprochenen 90 Prozent mehr Lichtausbeute sind tatsächlich super hell. Beide Lampen waren jedoch bereits nach nur etwa 3500 Kilometern defekt. Seit dem benutzen wir Leuchten mit etwa 50 Prozent gesteigerter Lichtausbeute, die bis dato halten.

Die Spiegel und Scheinwerfergläser beklebten wir mit einer speziellen Schutzfolie, z.B. von Linse Glasfolien, damit Spiegel und Glas bei Steinschlag oder Ähnlichem nicht sofort zerspringen und aus der Halterung fallen.

Alles sicher verstaut
…mit selbst gebauten Kofferträgern und Alukoffern nach Maß

Testurteil: Gepäckträger sehr gut, Alukoffer gut, Tankrucksack gut

Wie bekommt man das Reisegepäck sturzsicher und wasserfest verpackt? Als Lösung haben sich Aluminiumkoffer bereits auf vielen anderen Motorradabenteuern bewährt. Sie sind leicht und stabil. Unsere 70-Liter-Koffer (48L x 32,5B x 49H cm) hat die Firma RPX mit 2 mm dickem Alublech nach Maß angefertigt. Wir selbst mussten die Koffer noch im Innern mit eingeklebten, dünnen Isomatten (z.B. von Globetrotter) versehen, um so das Gepäck vor Aluminiumabrieb zu schützen. Auch wenn die Verarbeitung der Koffer, bspw. mit ungeschliffenen Schweißnähten, zu Wünschen übrig lässt und die eingebauten Schlösser ganz schön hakelig daherkommen, haben wir die Investition nicht bereut.

koffertraeger Unterer Befestigungspunkt des Kofferträgers

Für die stabile Befestigung der Koffer am Motorrad haben wir Kofferträger aus Flachstahl im Eigenbau angefertigt. Die etwa 10 Kilogramm schwere Konstruktion hat sich hervorragend bewährt. Auch bei der Mitnahme eines Sozius` und kleineren Ausrutschern der MZ. Diese Art Kofferträger verlangt allerdings einen Umbau des Seitenständers.

rucksack-innen rucksack rucksack-platte

1. Polster für die Kamera, 2. Befestigung mit Keil, 3. Verstärkte Grundplatte

Um die Kamera vor Vibrationen zu schützen, haben wir den einfachen Riemen-Tankrucksack TR1 von Louis mit zugeschnittenem Schaumstoff ausgepolstert. Die Iso-Sitzkissen von Globetrotter eignen sich unserer Ansicht nach sehr gut dafür. Zur besseren Stabilität und Entlastung des Reisverschlusses nieteten wir unter den anzuschnallenden Teil des Tankrucksacks (Grundplatte) eine selbst gefertigte Aluminiumplatte mit Aussparung für den Tankdeckel. Damit der Tankrucksack waagerecht sitzt, klemmt zwischen Rucksack-Grundplatte und Tank ein passender Keil, bspw. aus Styropor, der mit Panzertape ummantelt wird. Die Kamera ist damit bestens verstaut und immer schnell zur Hand.

Der Rest des Gepäcks kam in die alt bewährte, wasserdichte Gepäckrolle von Ortlieb.

Bequem im Sattel
…auf dem Armeesitz und Luftkissen von Airhawk

Testurteil: Beides sehr empfehlenswert

Ein wundes Steißbein oder schmerzender Hintern sind eine große Qual, besonders wenn lange Streckenabschnitte vor einem liegen. Beide Emmen bekamen deshalb einen breiten NVA-Einzelsitz verpasst. Der ist heutzutage nur noch gebraucht erhältlich oder selbst zu bauen. Für den perfekten Komfort ließen wir vom Sattler beide Sitze neu polstern und mit Leder/Kunstleder beziehen.

luftkissen armeesitz

1. Armeesitz mit Luftkissen, 2. Selbst gebaute Unterkonstruktion

In die Grundplatte des NVA-„Sessels” pressten wir vier Gewindehülsen (8 mm) ein, an die wir unsere selbst gebaute Unterkonstruktion aus Flacheisen befestigen konnten. Die um etwa 5 cm erhöhte Sitzposition empfinden wir als sehr angenehm.

Für sehr empfindliche Hinterteile empfehlen wir zusätzlich das Luftkissen von Airhawk, das von der Form her genau auf den Armeesitz passt. Die Luftkammern im Kissen verteilen den Druck gleichmäßig, dadurch bleibt man von schmerzenden Druckstellen verschont. Unbedingt ausprobieren!

Immer in die richtige Richtung
…mittels Navigationsgerät GPS MAP 276 C von Garmin

Testurteil: Schon vor Abreise Schrott!

Garmin bzw. Touratech Nord in Hamburg konnten uns vor Abreise leider kein funktionierendes Gerät liefern. Bei dem Motorrad-GPS MAP 276 C, das wir bereits zwei Jahre vorher bei Touratech Nord gekauft hatten, waren u.a. alle Routingsoftwareversionen fehlerhaft und der Akku vibrierte beim Fahren ständig aus der Halterung. Ein paar Wochen vor unserer Abreise lief die zweijährige Gewährleistungsfrist ab und wir hatten noch immer kein einwandfreies Gerät. Pech gehabt! So die Botschaft von Garmin und Touratech Nord. Man bat uns ein neues Gerät – mittlerweile ein Auslaufmodell – zum halben Preis an. Das wurde uns dann mit etlichen Wochen Verspätung per Nachnahme nach Hause geschickt, wo keiner mehr die Tür öffnete, weil wir schon längst unterwegs waren. Als Nächstes kam dann auch noch eine Zahlungsmahnung per Post, für ein Gerät, das wir nie zu Gesicht bekamen. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie, technisch und menschlich!

Unterwegs haben wir schnell festgestellt, dass ein GPS-Gerät in allen Ländern unserer Reise gar nicht nötig ist. Gute Straßenkarten sind im Handel für jedes Land erhältlich. Damit geht man nirgendwo verloren. Zur Not helfen auch der klassische Taschenkompass oder die Tipps von anderen Reisenden und ortskundigen Einheimischen. Reiseführer wie die von Lonely Planet beinhalten außerdem ausreichend informative Stadtpläne für die Orientierung in größeren Ortschaften.

Immer unter Strom
…über die Bordsteckdose

Testurteil: Für den Notfall sehr hilfreich

Damit uns in einsamen Gegenden nicht der Strom ausgeht, montierten wir am Lenker eine Bordsteckdose, z.B. erhältlich bei Louis und Touratech. Darüber lässt sich zum einen die Batterie der MZ ohne Ausbau schnell und einfach laden. Zum anderen versorgt die Bordsteckdose fernab der Zivilisation auch Handy, Kamera und Laptop mit Strom.

bordsteckdose Platzierung der Bordsteckdose

Verdoppelter Diebstahlschutz
…durch Unterbrechung der Stromzufuhr

Testurteil: Anscheinend wirksam

Die Diebstahlgefahr ist in Eurasien nicht größer als in Deutschland. Um trotzdem auf Nummer sicher zu gehen, montierten wir an beiden Motorrädern ein zusätzliches Schloss, das die Stromzufuhr zur Zündspule unterbricht. Ein unbefugter Start des Motors ist damit unmöglich. Ansonsten haben wir die Motorräder neben dem obligatorischen Lenkerschloss mit einer sehr stabilen „Panzerkette” von Abus (City Chain X-Plus) gesichert. Mit der 1,2 Meter langen Ausführung lassen sich beide Emmen inkl. der Ersatzreifen vor Langfingern schützen.

Schutz für frierende Hände
…mittels Griffheizung von Daytona

Testurteil: Leider durchgefallen

Wer fährt schon gerne mit steifen, durchgefrorenen Händen? Und auf hohen Strecken wie den Pamir- und den Karakorum-Highway fallen die Temperaturen nicht selten unter Null. Die eingebaute Griffheizung mit den hoch gelobten Heizgummis von Daytona hat sich bei uns allerdings nicht bewährt.

griffheizung Schalter der Griffheizung

Erstens: Bei Schalterstellung START darf man laut Bedienungsanleitung nicht vergessen, spätestens nach einer Minute auf die Schalterstellung ON zu wechseln. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Heizgriffe zerstört werden. Eine ziemlich dumme Erfindung, und das bei einem hohen Preis. Zweitens: Die Heizleistung ist viel zu gering. Kein Vergleich zur Griffheizung zum Beispiel von BMW. Einen wärmenden Effekt konnten wir gerade mal durch dünne Sommerhandschuhe spüren.

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