Kirgistan: Ein paar Tage in einer anderen Zeit

24. September 2008

Sary-Tash: Ein kleines Dorf am Ende der Welt
Wir erreichen Sary-Tash – ein kleines kirgisisches Dorf auf dreitausend Metern, durch das viele überladene Lastwagen aus China rollen und kräftig Staub aufwirbeln. Seit der siebzig Kilometer entfernte Irkeshtam-Grenzübergang zu China vor ein paar Jahren geöffnet hat, ist Sary-Tash ein Ort für einen kurzen Zwischenstopp geworden. Nach ein paar Tagen im einsamen Pamir freuen wir uns über etwas Leben auf der Straße, die große Tankstelle mit ausgemusterten Aral-Zapfsäulen und das Zimmer hinterm Cafe Aida, in dem wir drei Tage wohnen werden, bevor wir nach China reisen.

  

Erst essen im Zimmer, dann Abwasch mit Wasser aus der Kanne

Die nächsten Tage tauchen wir in eine andere Zeit ein. So haben vielleicht unsere Großeltern kurz nach dem Krieg auf dem Dorf gelebt. Unser dunkles Zimmer ist klamm, hat keinen Ofen. Zum Hockklo laufen wir über den großen Hof. Wasser gibt es nur aus der Kanne oder dem Eimer. In einem der winzigen Dorfläden finden wir wenigstens Snickers – ein Stück Heimat, nach dem wir regelrecht gieren, seit es so kalt geworden ist. Wir kaufen alle übrig gebliebenen Exemplare des Powerriegels, außerdem ein Kilo Kartoffeln, acht Eier, vier Zwiebeln und sechs Flaschen Quellwasser. Damit kochen wir uns jeden Tag eine deftige Mahlzeit. Den friedlichen Hofhunden, die uns und unsere Moppeds bewachen, geben wir auch was ab.

 

1. Männerbank, 2. Postamt, 3. Einkauf im Dorfladen

Die Menschen hier leben langsam. Es gibt nicht viel zu tun in Sary-Tash: ein paar Kühe auf den Berg treiben, Spiegeleier zum Frühstück braten, die staubige Wäsche waschen, sich in der Sonne wärmen. Wir haben zum Glück ab und zu Strom in unserem Zimmer und können Geschichten darüber schreiben, durchs Dorf spazieren und Fotos machen. Wir gehen kurz nach Dunkelheit ins Bett und stehen mit der Sonne auf. So ist das Leben.

 Mädchen aus dem Dorf

China in Sicht
Am Sonntag, den 21. September sagen wir Tschüss in Sary-Tash und trauen uns auf den Weg in Richtung chinesische Grenze, wo einen Tag später unser China-Guide auf uns wartet. Unglaublich, dass fast täglich riesige Lastkraftwagen über diese schlechte Piste rollen. Sie sind über den Rand hinaus mit Fernsehgeräten oder anderem Kram überfrachtet. Fast am Ende der Strecke stolpern und rutschen unsere MZ fünfzehn Kilometer lang im Schritttempo über Steine und kleine Felsbrocken – zum Glück geht’s  bergab. Keine Ahnung, wie die Ladung auf den Lastern bei diesem Transportweg heil bleiben kann.

Wir übernachten noch einmal bei einer Familie im Grenzdorf Nura und starten am nächsten Morgen um neun Uhr aufgeregt nach China. Wir haben keine Ahnung, was uns dort erwartet…