Der herbeigesehnte Start (…und die Emmen summen)

Zwei alte MZ ETZ 250 auf der Startbahn “Birkenweg” – Destination: Himalaja
Abschied in Trance
Sonntagmorgen, 18. Mai 2008. Uns fehlt Schlaf. Nervös und leichenblass stehen wir neben uns. Heute soll es losgehen?! Der Start ins herbeigesehnte Abenteuer. Bis um drei Uhr nachts hat Michas Familie in der Garage noch an beiden MZ und den Alukoffern geschraubt, damit wir endlich Zeit haben, die Sachen zu packen. Jede verdammt kurze Stunde der letzten drei Wochen war mit einer Aufgabe verplant. Ein roter Stift und großer Kalender auf dem Tisch mit der Aufteilung: Suse, Micha. Stress bis zur allerletzten Sekunde.

1. Packen in Trance, 2. Schrecklich (schön): Die ersten Sekunden unseres Abenteuers
Um elf Uhr soll angekickt werden. Das MZ-Werkzeug für unterwegs wird jetzt erst zusammengesucht. An Frühstück ist nicht zu denken. An gar nichts ist mehr zu denken. Wie in Trance beladen wir die beiden glänzenden Emmen mit allem Hab und Gut für über ein Jahr Auszeit. Die geschenkten Glücksbringer werden in freigebliebenen Ritzen verstaut. Parallel der Abschied von Familie und Freunden, die auf dem Hof um uns herum auf den Start warten – mit Tränen der Freude oder Angst in den Augen.
“Daran wirst Du Dich gewöhnen!”
Der Kickstarter kriegt endlich einen Tritt und das Abschiedskomitee verschwindet bald in einer Zweitaktwolke. Die ersten Meter sind schrecklich und schön zugleich. Und ziemlich wackelig. Denn Suse sitzt zum allerersten Mal auf der vollbeladenen Emme. Auf der einzigen Probefahrt vor zwei Tagen ins drei Kilometer entfernte Nachbardorf fing bei neunzig km/h das Motorrad an zu pendeln. “Das ist normal, daran wirst Du Dich gewöhnen!”

Tachostand bei Start: 1111 km
Suses Vater lässt es sich nicht nehmen, uns auf seiner Suzuki die ersten Kilometer zu begleiten. Hinter uns fahren noch Abenteurerfreunde in ihrem knallorangen Bulli. Völlig ausgepowert gibt Suse das “Ich-gewöhn-mich-erstmal-dran”-Tempo vor. Mit siebzig auf dem Tacho schleichen wir aus der Prignitz davon. Plötzlich fällt uns ein: Wir haben das Tanken vergessen.

Begleitung – wenigstens bis zur nächsten Tanke
Die erste Etappe: Etwa 300 km, Ziel: Borna bei Leipzig
“Na, ob das gut geht???!!!” Wir lassen die Gedanken der Zweifler mit Leichtigkeit hinter uns und sind so froh, dass die Räder rollen. Der größte Schritt ist getan: Losfahren. An diesem Tag summen beide Emmen etwa dreihundert Kilometer lang wie Bienen über die ostdeutsche Landstraße. Beruhigende Klänge. Überall, wo wir anhalten, kommen die Leute auf uns zu und wünschen Glück.
Es ist schon dunkel, als wir Leipzig passieren und danach endlich das erste Etappenziel erreichen: Borna. Mit zitternden Knien steigt Suse ab. Micha küsst und streichelt die Motorräder. Der Anfang einer neuen Liebe. Glückselig und totmüde sinken wir bei Michas Verwandten in die Matratze. Ach ja, Suse hat jetzt schon ihren ersten Durchfall. Die Aufregung.

Abschied Nummer Zwei in Borna
Ganze drei Tage bleiben wir in Borna. Wir müssen erstmal runterkommen, bevor wir weiterkönnen. In der Werkstatt von Cousin Falk feilt Micha noch an den Maschinchen. Bei Suses MZ wird der Seitenständer vor die Koffer gesetzt, damit sie besser absteigen kann. Wir telefonieren noch ein paar Mal mit Touratech Nord, um nachzufragen, wo unser Austausch-GPS-Gerät von Garmin bleibt. Deren falsche Versprechungen sind nervtötend und darum fahren wir ohne los.
Am 21. Mai wird nochmal gedrückt und geknutscht. “Tschüss Borna, Tschüss liebes Sachsenland” und dann fahren wir weiter zur süddeutschen Grenze und nach Prag. Deutschland, auf Wiedersehen!