v E R r ü c k T e erste Tage …in Deutschland
Die erste Nacht im eigenen Bett
Die erste Nacht zuhause ist überstanden. Wieder ins eigene, alte Bett zu steigen, hatte allerdings nichts Besonderes. Außer der Süßigkeiten und des Gute-erste-Nacht-Wunschzettels, die Michas Schwester auf die Decke gelegt hat. In der letzten Zeit hatten wir uns an unzähligen Orten in so viele verschiedene Schlafstätten gelegt. Eher selten deutsch-sauber und bequem. Einfach nur pragmatisch. Und nun ist selbst das eigene Bett irgendwie eines von vielen geworden. Jedenfalls in den ersten Tagen. Das Gefühl, am Ziel oder wieder zuhause zu sein, stellt sich noch nicht ein. Vierzehn eingängige Monate in einer anderen Welt hinterlassen Spuren. Wann geht’s weiter?
Achtung – Einsturzgefahr!
Wir hatten uns von unterwegs aus vorgenommen, die ersten Wochen langsam anzugehen: Familie und Freunde besuchen, Grillabende, Ausflüge zum See… Eine romantische Idee, die nicht funktioniert.
Nach der Wiederseheneuphorie stürzt schnell unser deutsches Leben auf uns ein. Alte Probleme, neue Aufgaben. Das Handy wird reanimiert. Wochentage werden wichtig. Ohne Terminkalender verlieren wir den Überblick und die Aufgabenliste wird immer länger: Zollamt, Krankenkasse, Arbeitsamt, Versicherungen, liegen gebliebene Briefe und Papierkram, Finanzen ordnen, Einkommensteuererklärung, Arztbesuche, Medienanfragen, Wiedersehensbesuche bei Familie und Freunden, die Reisefotos sichern, E-Mails aus der ganzen Welt beantworten, die Pakistan-Spendenaktion abschließen, das Buchprojekt starten und hunderte Kleinigkeiten… Und dann die großen Fragen: Wo längerfristig wohnen und arbeiten? Die Aufzählung könnten wir noch zeilenweise fortführen. Ein echt chaotischer Neustart ins neue, alte Leben mit gefährlicher Geschwindigkeitsüberschreitung.
Erzählt doch mal!
Und was daneben an uns vorbeirauscht, ist schwer zu verarbeiten: Überfluss! Zu viele Informationen, zu viele Produkte, zu viel Krimskrams. Am liebsten möchten wir uns von allem Nutzlosen befreien. Physisch und psychisch. Ein erster Schritt in Richtung geordnete Bahnen. Der Drang zum Ausmisten ist groß. Die Motorräder und Taschen kriegen wir allerdings noch nicht ausgepackt. Wir sind von allem überwältigt. Die Gefühle sind kaum zu beschreiben. Tausend Ideen und Stresshormone rasen durch die Blutbahn. Schlaflose Nächte. Ankommen ist schwerer als losfahren.
Ein Blick auf die stille Prignitz wirkt fast entspannend
Wir genießen aber auch schöne Momente: ein Baby in der Familie, mit Freunden lachen, der Gang zum Friseur (Suse), Nutella, Kuchen und ein bakterienfreies Schnitzel beim Besuch im Bornaer „Glück Auf!”, wo gerade der Karnikelzuchtverein über Rekorde beim Kaninhopp-Wettbewerb diskutiert. Der Gang zum Kleiderschrank ist auch herrlich, nachdem wir lange einer pragmatischen Abenteuerkleiderordnung unterlagen. Wir entdecken unsere bunten, alten Sachen neu. Und füllen parallel trotzdem gleich ein paar Altkleidersäcke. Wir hören endlich wieder gute Musik und holen auf, was wir verpasst haben: neue Alben von MIA und Peter Fox. Wir laufen die schöne, alte Waldstrecke ab und fahren an einem sonnigen Morgen hoch-hoch-hoch auf die Windmühle. So verschaffen wir uns wenigstens einen räumlichen Überblick. Es riecht nach Sommer in der Prignitz.
Kaum Zeit für Erinnerungen: Auswahl einiger Mitbringsel
Wir machen gerade die intensive Erfahrung, dass alles, was uns im Leben reich macht, einen Preis hat. Nach der unbezahlbaren Auszeit auf der Emme ist das Abenteuer noch lange nicht zu Ende! Da bleibt erst wenig Platz für Gedanken an das Erlebte. Hoffentlich wird es bald etwas ruhiger. An das Chaos in Indien konnten wir uns doch auch gewöhnen!? Viel leichter sogar…




Hallo Ihr Zwei Heimkehrer,
Ihr scheint ja mächtig mit Euch und Euren Gefühlen zu kämpfen. Hab ich deshalb noch nie so eine Reise gewagt? Kann in kleinen Teilen mit Euch mitfühlen – man wäre am Liebsten gleich wieder losgefahren, oder? Das Erlebte zu ordnen dauert noch Wochen. Über Eure Langzeitwirkungen wusste ich liebend gerne mehr – sowohl positiv, als auch negativ.
Aber man ist eigentlich schneller wieder im Alltag/Arbeit drin, als einem lieb ist. Aber nach Monaten Unterwegs sein sieht das sicher anders aus.
Was werdet ihr jobmäßig machen?
Und danke, dass man auch noch nach Eurem “Ankommen” noch was von Euch hört!!
Grüßle
Fränky
Au ja, das mit der Datensicherung macht bitte auf jeden Fall. Sonst können wir noch viiiiel schwerer mit- und nachvollziehen, was euch so in der Erinnerung herumschwirrt!
Davon mal abgesehen, dass alte Männer schon mal mit der kürzeren Vergangenheit Probleme haben können
Ich kenne euer Probleme ansonsten genau. Immer wenn ich mal länger unterwegs war, zeigte die aktuelle Presse, dass ich eigentlich wieder dringend weg müsste. Ob es die Falkland-Krise war oder Muskelspiele von Ghaddafi in der großen Syrte – immer wieder zeigte der Spiegel ein krisengeschütteltes Titelblatt.
Könnt euch ruhig mal zwischendurch ‘ne kleine Flucht. Wenn euch die Mecklenburgische Seenplatte zu übervölkert wird, könnte ich euch noch ein paar Tipps für Ostfriesland geben. Und ihr seht Mittwochs schon, wer am Wochenende zum Tee kommt.
Allerbeste Grüße – auch an die anderen virtuellen Mitreisenden!
Martin
Liebe Prignitzer,
lang ist es her, dass wir uns auf der Reise trafen. Nun wissen wir gar nicht, ob wir euch beglueckwuenschen sollen oder nicht. Es hoert sich alles noch sehr wirr an und wir haben kurzzeitig an unsere Heimkehr gedacht und beschlossen es geheim zu halten. So viele Eindruecke, Gefuehle und vieles mehr. Das verkraften wir nicht. Wir geniessen noch ein wenig Indien und sehen uns dann in old Germany auf was auch immer, denn im Moment moegen wir das Essen sehr und werden zur Zeit von einer privaten Familie bewirtet, die uns mehr oder weniger aufgegabelt haben. Ihr kennt das ja und da sagen wir doch nicht nein.
Alles, alles liebe von Carina und Michael aus dem Himalaja
Ach ja, eure Site ist noch besser als Asterix!

Bei euch entdecke ich auch nach dem 30. Lesen noch neue Details
Und vieles erinnert mich derartig an eigene Erfahrungen, dass ich immer wieder grinsen muss.
So habe ich nach langen Seetörns z.B. eine richtige Gier nach Rasenmähen gehabt – könnt ihr mich jetzt mit jagen, aber nach maximal Seetang- und Hafengerüchen endlich mal wieder frisch gemähtes Gras zu riechen, finde ich gelegentlich schon mal attraktiv
Wenn ich euch in Sachen Buch/Verlag/Marketing helfen kann, gebt mir ein Signal.
Ich habe daran ein ganz klares eigenes Interesse!!!
Beste Grüße aus dem hamburgischen Spätsommer.
Martin