* Neue Reisen *
Je eher, desto besser:
Auf dem Honda-Moped durch Südvietnam
8. bis 30. Oktober 2011. Drei Wochen Vietnam. Südvietnam. Im Rückblick heißt das unzählige junge Menschen unterwegs auf noch mehr Motorrädern, täglich frisches Rindfleisch mit einem Bündel Kräuter in der Reisnudelsuppe und Reiseabenteuer-Garantie. Denn Südvietnam hat alles: Saigon als brummende Großstadt, abwechslungsreiche Fahrten auf kleinen Landstraßen über Brücken im Mekong-Delta und Tiefenentspannung auf der Trauminsel Phu Quoc. Leider ist auf dem Inselparadies ein internationaler Flughafen geplant; die Offroadwege durch den Dschungel werden gerade zu dreispurigen Straßen ausgebaut. Südvietnam ist mehr als eine Reise wert – je eher, desto besser!
Saigon ist das erste, was wir sehen, als der Turkish Airline Flieger endlich ankommt am Tan-Son-Nhat Flughafen, sieben Kilometer vom Zentrum entfernt. Sieben Euro kostet das Taxi, in das wir einsteigen, angezogen in unseren Motorradjacken und Wanderschuhen. Natürlich ist es warm und schwül, obwohl die Sonne schon untergegangen ist. Wir haben gerade einen heftigen Regenschauer verpasst – es sind die letzten Tage der Regenzeit.
Xin Chao, Saigon (Ho Chi Minh City)!
Jetzt fahren wir aus dem Autofenster guckend durch die breiten, ordentlich gebauten Hauptstraßen der Stadt. Ob Saigon mit irgendwelchen asiatischen Metropolen vergleichbar ist, die wir 2008 bis 2009 auf den MZ-Motorrädern durchquert haben? Je mehr sich der Taxifahrer dem Backpackerviertel Pham Ngu Lao nähert, desto dichter werden wir von roten Mopedrücklichtern umringt. Jetzt geht auch das Gehupe und Gedränge los. Oh ja – diese Geräuschkulisse, und wie wir uns über die vollen Kreuzungen manövrieren lassen, das kommt uns bekannt vor!
In Pham Ngu Lao angekommen schleppen wir unsere Rucksäcke durch eine enge, bunte Gasse bis zu einem der unzähligen günstigen Minihotels. Wir können während dessen die Einheimischen vor und in ihren offenen winzigen Häusern links und rechts der Gasse beobachten. Wie sie ungestört auf dem Fliesenboden liegend auf die Seifenoper im Flachbild-TV gucken oder mit der Familie gerade Nudelsuppe essen. Und wow, es duftet nach Asien. Sofort schießt mir der Gedanke durch den Kopf: Können wir nach nur drei Wochen einfach so wieder von hier abreisen?
Als ich am nächsten Tag im schönen Gebäude der Hauptpost sitze, während Micha die Architektur und das Treiben der Postangestellten fotografiert, spricht mich leise eine junge Studentin an: “I want to improve my English” sagt Mai Nguyet. Und so reden wir eben eine Weile und tauschen uns in unserer Fremdheit aus. Am Ende bringt sie mir noch die fünf wichtigsten Vokabeln Vietnamesisch bei. Eine schöne Begegnung zu Beginn unserer kurzen Reise. Zum Abschied legt mir Mai wie eine gute Fee kleine Glückssterne in die Hand. Ich deute das als gutes Omen – die nächsten Wochen stehen unter einem guten Stern.
Wir laufen in der Vormittagssonne weiter durch die Straßen Saigons – sie sind aufgeräumt, werden jeden Tag von einer Putzkolonne gefegt. An freien Flächen hängen große Plakate der Regierung, die Aufmachung typisch kommunistisch: Das fröhlich-bunte Proletariat. Mittags müssen wir unseren Elektrolythaushalt ausgleichen. Wir haben uns schon vor der Tropenhitze auf das Nationalgericht der Vietnamesen gefreut: Pho Bo – eine große Schale würziger Brühe mit frischem Rindfleisch, dicken Reisnudeln, Sprossen, einem ganzen Bündel saftiger Kräuter und so viel roten Chillischeibchen, wie man verträgt. Die Suppe wird überall – morgens ab fünf, mittags ab elf und nochmal abends – zubereitet. Wir können uns nicht satt essen daran.
Wir besuchen den Wiedervereinigungspalast – ein Flashback zu Erich`s Lampenladen, der Palast der Republik, den ich in seiner ganzen Pracht selbst nie durchlaufen konnte. Im ganzen Gebäude sind die Uhren am 30. April 1975 stehen geblieben. Nichts wurde verändert. Trotz erschütternder Geschichten, die um den Palast kreisen, wirkt die Architektur spannend und angenehm. In diesen Räumlichkeiten residierte und arbeitete der südvietnamesische Präsident. Solange, bis die kommunistischen Panzer die Hoftore durchbrachen.
Krasser Beam: Nach zwei Jahren zurück aufs Motorrad in Asien
Über zwei Jahre ist es her, dass wir auf unseren MZ-Motorrädern durch Asien gereist sind. Es ist unglaublich, aber nach nur zwei Tagen fühlen wir uns völlig zurück gebeamt ins Emmenreiter-Abenteuer, nur ohne Emmen. Deutschland ist so weit weg, geografisch wie gedanklich. Die nächsten drei Wochen werden uns wie zwei Monate vorkommen, so intensiv genießen wir alles und jeden Moment.
+++ Unser Tipp: Motorräder leihen +++
In Pham Ngu Lao geht das wirklich einfach und billig – ca. 3 Euro pro Tag für Honda Wave 110 (Halbautomatik). Mindestens einen Reisepass wollen die Verleiher behalten. In den Hotels konnte man später überall problemlos mit einer Passkopie einchecken. Wer lieber einen sicheren Helm will, sollte einen mitbringen. “Va Ep”-Schilder am Straßenrand weisen auf die Möglichkeit hin, dass man dort schnell einen platten Reifen wechseln lassen kann. Die Mopeds können auf der Phu Quoc-Fähre mitgenommen werden.
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Wir mieten in einem winzigen Reisebüro um die Ecke unserer Unterkunft in Saigon zwei Honda-Mopeds. Die Motorräder in Vietnam sind etwas klein geraten, aber fix und leicht zu fahren. In unseren Motorradjacken und -handschuhen kommen wir uns overdressed vor, aber immerhin vermeiden wir damit einen Sonnenbrand. Fast jedenfalls. Wir kaufen uns für 20 USD zwei halbwegs ordentliche Helme mit Regenvisier, binden den Rucksack auf die Sitzbank, fahren eine Runde durch den Kreisverkehr am Bến Thành Markt und dann Richtung Westen stadtauswärts. In den nächsten zwei Wochen wollen wir das Mekong-Delta erkunden und auf der Tropeninsel Phu Quoc das Paradies auf Erden genießen.
Auf der Autobahn bis nach Tan Thach
Die Fahrt aus Saigon raus hat bestens geklappt. Wahnsinn, die Bienenschwärme junger Menschen auf zigtausenden Motorrädern. Und wir mittendrin. Nach der ersten Sekunde auf dem Moped waren bei mir alle kleinen Zweifel, die mir noch als Fußgängerin in den Sinn kamen, sofort verflogen. Auf dem Zweirad fühle ich mich besser aufgehoben.
Das Gesicht unterm Helm ist angeschwollen von der Hitze und kühlt sich langsam ab, als wir auf der A1 in Richtung My Tho fahren. Nirgends können wir ein Schild entdecken, dass uns sagt, wann wir abfahren dürfen. Wenn wir die Leute an der Straße nach My Tho fragen, versteht uns keiner. Dabei gebe ich mir große Mühe und variiere mehrmals die Betonungen. “Orte ab jetzt aufschreiben!” sage ich zu Micha. Unsere Motorräder summen mit über siebzig km/h über die gut befahrene Autobahn, sechszig sind offiziell erlaubt. Uns kommt das für asiatische Verhältnisse auf alle Fälle schnell genug vor.
Wir fahren auf einer Brücke bei My Tho über einen großen braunen Fluß – das ist der Mekong, oder besser gesagt der Ham Luong, ein großer Seitenarm. Die lehmbraune Färbung ist typisch in der Regenzeit, die gerade endet. Endlich sind wir auf der Landstraße. Im kleinen Dorf Tan Thach noch vor Ben Tre kommen wir im grünen, ruhigen Garten des Thao Nhi Gasthauses unter. Wir sind gerade die einzigen Gäste. Wir essen Elefantenohrfisch zum Abend und lassen uns am nächsten Nachmittag, als der Regen aufhört, durch stille Flusskanäle rudern. Während dessen überlegen wir, was wir von den Menschen hier halten. Obwohl sie sich niemals einfach so offenbaren erkennen wir dennoch schnell ihre (asien)typischen Eigenschaften: fröhlich, kindlich, gutherzig. Natürlich gibt es auch wieder äußerliche Besonderheiten wie die bequemen, stark gemusterten Zweiteiler der Frauen, ihre Kegelhüte und die hell-Haut-farbenen langen Handschuhe und Strümpfe, die bei Sonnenschein schützend über Arme und Beine gestreift werden.
Begegnungen in der Khmer-Stadt Trà Vinh
Ein großer Vorteil, wenn man auf dem Motorrad reist, ist der, dass man Orte wie Trà Vinh gut erreicht. Und das auch noch über kleine, schöne Landstraßen. Rechts und links frisches Grün und immer wieder Brücken über Sümpfe und Flüsse. Dazwischen gelbe, türkise oder blaue Bauernhäuser. Eigentlich dürfte man gar nicht so viel darüber schreiben, denn uns hat diese wenig besuchte Region im Mekong-Delta einfach zu gut gefallen. Uns sind in Trà Vinh Tage lang keine einzigen Touristen begegnet. Es hat Spaß gemacht, durch die Straßen zu schlendern und sich von den Einwohnern ein Lächeln abzuholen – von den aufgeregten Mädchen auf dem Schulhof, von der Kuchenverkäuferin, der Familie am Pho-Stand oder den beiden jungen Damen im kleinen Reisebüro, die oft gelangweilt und dafür umso hilfsbereiter sind. Ein paar authentische Begegnungen in Vietnam.
Mit den Mopeds fahren wir durch die kleinen Straßen und zu den Khmer-Stätten etwas außerhalb der Stadt Trà Vinh. Nicht nur in der alten schönen Ang-Pagode auf dem kühlen Boden vor Buddha zu sitzen ist herrlich. Die charismatischen Gesichter der jungen Mönche in ihren knallorangen Tüchern wirken fast noch anziehender.
Mangoboote und Hochwasser in Can Tho
Thailand ist zum Zeitpunkt überflutet. In Südvietnam ist die Lage glücklicherweise nicht problematisch. Als wir in Can Tho sind, überschwemmt der Mekong alle sechs Stunden das Zentrum der Stadt. Dann stehen die Straßen knietief unter trübem Wasser, das von manchen Motorradvergasern geschluckt wird. Den Leuten macht das alles nichts aus, es ist das normalste ihrer Welt.
Morgens um 4:45 Uhr holt uns Miss Ho im Hotel ab: Es geht zu den schwimmenden Märkten bei Phong Dien. Meine Verdauung lässt mich ausgerechnet heute hängen. Egal. Es wird das erste und letzte Mal sein in diesem Urlaub. Die schwüle Luft der Nacht hat sich gerade etwas abgekühlt. Am Ufer wartet Miss Ho`s Freundin Ha in ihrem schmalen Holzboot, in dem wir noch im Dunkeln losschippern. Jetzt geht die Sonne auf. Wir sind müde, aber überglücklich über solche Momente.
+++ Unser Tipp: Mit Miss Ha zu den schwimmenden Märkten +++
Jeder Tourist im Mekong-Delta möchte die schwimmenden Märkte sehen. In Can Tho möchten wir wärmstens Miss Ha und ihre Freundin Ho empfehlen. Eine Fahrt (Zweier-Tour 50 USD) lässt sich auch noch einen Tag vorher unkompliziert arrangieren. Frisches Obst und Abstecher ans Ufer inklusive. Unbedingt direkt bei Miss Ha anrufen: 091-81 83 522.
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Das Marktreiben auf dem Fluss beginnt früh, gegen sieben Uhr wird es schon wieder vorbei sein. Dann fahren die jungen Ehepaare oder älteren Frauen mit ihren teilweise gepachteten Booten wieder in die Mekong-Dörfer zurück, um neue Mangos, Ananasfrüchte, Süßkartoffeln oder Federvieh zu holen, die sie am nächsten Morgen an die Markthändlerboote verkaufen können. Miss Ha spricht ein relativ gutes Englisch und hat ein gutes Gespür dafür, was uns interessiert. Sie hat immer eine Antwort. Wir machen auch einen kleinen Abstecher ans Ufer, um dabei zu sein, wenn Reisnudeln traditionell hergestellt werden. Miss Ha hat auch verstanden, dass ich heute öfter ein stilles Plätzchen brauche…
Die beiden unverheirateten Frauen strahlen einfach Kraft und Lebensfreude aus und haben viel Sinn für Humor. “Was sollen wir mit einem vietnamesischen Mann?! Die liegen den ganzen Tag nur in der Hängematte…” lacht Ha. Als die Hitze des Tages zurückkommt, trennen sich wieder unsere unterschiedlichen Lebenswege.
Inselparadiesisch (oder: Ein Bild für die Götter)
Oh mein Gott ist das schön hier! Dieser Satz platzt regelrecht aus uns heraus – am zweiten Tag auf der Insel Phú Quốc im Golf von Thailand. Wir sind mit der Fähre Super Dong II aus Rach Gia hierher gefahren. Die Motorräder hatten leider keinen Platz mehr und mussten am Hafen zurückbleiben. Als das Boot anlandet, halten wir Ausschau nach einem Typen, der uns ein Moped leiht. Wir lassen uns ein altes Ding für zu viel Geld andrehen, aber das war das einzige Angebot. Unglaublicherweise will keiner weiter nach Bai Sao an die Südspitze der Insel fahren. Obwohl der Strand dort abgelegen, weiß und unberührt sein soll. Es gäbe nur eine einzige Unterkunft – das My Lan mit einfachen Hütten am Strand. Das klingt doch wunderbar!
Wir versuchen irgendwie, mit beiden Rucksäcken auf dem kleinen Moped Platz zu nehmen. Der Reifen hinten drückt sich in den Sand. Schweiß bricht aus. Wir quälen das Moped 25 Kilometer über die holprige Straße nach Süden – ein Bild für die Götter. Da müssen sogar die Vietnamesen lachen. Dieser Höllenritt wird sich schon lohnen, denken wir. Umso größer ist die Enttäuschung, als wir ein kleines, überteuertes Ressort vorfinden, in dem wir uns vom ersten Augenblick fehl am Platz fühlen. Das My Lan ist nebenan und gerade eine Baustelle, der Strand links und rechts des Ressorts überschwemmt mit Müll. Wir fahren nach nur einer Nacht zum Long Beach im mittleren Westen der Insel zurück und landen dort durch Zufall an einem wunderbaren Plätzchen.
+++ Unser Tipp: Long Beach statt Bai Sao +++
Am Long Beach entlang gibt es viele günstige (und auch teurere) Unterkünfte. Die schießen pilzenhaft aus dem Boden. Im schönen Kim Nam Phuong Ressort kostet ein gemütlicher, sauberer Bungalow inkl. Frühstück rund 18 USD in der Nebensaison. Bungalows gibt es im Garten oder direkt am wunderbaren Strand. Die Gegend und Atmosphäre ist toll, das Personal sehr freundlich und die Anlage einfach schön. Der Franzose Stefan, Besitzer der D.S Bar (kurz vorm Kim Nam Phuong Ressort) hat außerdem wertvolle Tipps parat.
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Eine Woche genießen wir das Paradies auf Erden – mit Bungalow und langen Massagen am Strand, bestem Essen, glasklarem Wasser und Fahrten durch den einsamen Inseldschungel und vergessene Fischerdörfer. Uns entgeht nicht, dass parallel zu manchen Sandwegen dreispurige Straßen im Bau sind. Auf der Insel ist ein internationaler Fughafen geplant. Phu Quoc soll eine Ort werden, der in jedem Reiseprospekt glänzt. Nicht mehr lange, und keines der Fischerdörfer wird mehr so spannend und echt sein, wie gerade noch.
Irgendwann müssen wir wieder aufs Festland und über Can Tho zurück nach Saigon, wo wir wohlbehalten und braun gebrannt ankommen. Unser Mopedverleiher ist stolz auf uns und freut sich auch über die neuen Helme, die er behalten darf. Jetzt genießen wir noch die letzten Momente Südvietnam – die letzte Pho, den letzten Eiskaffee auf einem Kinderplastikhocker am Straßenrand und die letzte schwüle Nacht. Wir haben so viel Energie getankt, dass wir zufrieden und glücklich nachhause fliegen können. Cảm ơn. Und: tạm biệt…

Ha, wieder etwas Neues entdeckt!
Und selbst Johanna und Andreas (http://cycle-the-world.de/) sind in Vietnam zeitweise vom Fahrrad auf’s Mopped umgestiegen!
Euch aber herzlichen Glückwunsch zur ostasiatischen Folgereise. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Herzliche Grüße
Martin
…ja, dass haben wir gesehen!!! In Vietnam kommt man um eine Mopedtour eben schlecht herum
Übrigens unglaublich: Dein telepathisches Gespür funktioniert wie eh und je – während wir endlich mal wieder neue Bilder hochladen, surfst Du schon durch “unser Mekong-Delta”!