“Heute beginnt nicht nur eine Reise, sondern ein Lebensabschnitt!”

18. Mai 2008

Unsere 60 Reisegeschichten erzählen das, woran wir uns immer wieder erinnern möchten. Beim Lesen sollt Ihr den Auspuffqualm der alten Motorräder riechen können, wenn sie mit uns über die Riesengebirge Asiens knattern. Ihr sollt genauso gerührt sein von den verschiedenen Menschen, die uns unterwegs begegnet sind. Und Ihr sollt dieselbe Gänsehaut bekommen – vor Freude, Sehnsucht, Spannung oder Betroffenheit. Lasst Euch wie wir auf das eMMenreiter-Abenteuer ein: auf unwirkliche Landschaften, fremde Lebensumstände und die Einfachheit des Glücks.

Fangen wir vor der heimatlichen Haustür an…


Der herbeigesehnte Start (…und die Emmen summen)

19. Mai 2008
buchholz-abfahrt
Zwei alte MZ ETZ 250 auf der Startbahn “Birkenweg” – Destination: Himalaja

Abschied in Trance
Sonntagmorgen, 18. Mai 2008. Uns fehlt Schlaf. Nervös und leichenblass stehen wir neben uns. Heute soll es losgehen?! Der Start ins herbeigesehnte Abenteuer. Bis um drei Uhr nachts hat Michas Familie in der Garage noch an beiden MZ und den Alukoffern geschraubt, damit wir endlich Zeit haben, die Sachen zu packen. Jede verdammt kurze Stunde der letzten drei Wochen war mit einer Aufgabe verplant. Ein roter Stift und großer Kalender auf dem Tisch mit der Aufteilung: Suse, Micha. Stress bis zur allerletzten Sekunde.

Packen Start

1. Packen in Trance, 2. Schrecklich (schön): Die ersten Sekunden unseres Abenteuers

Um elf Uhr soll angekickt werden. Das MZ-Werkzeug für unterwegs wird jetzt erst zusammengesucht. An Frühstück ist nicht zu denken. An gar nichts ist mehr zu denken. Wie in Trance beladen wir die beiden glänzenden Emmen mit allem Hab und Gut für über ein Jahr Auszeit. Die geschenkten Glücksbringer werden in freigebliebenen Ritzen verstaut. Parallel der Abschied von Familie und Freunden, die auf dem Hof um uns herum auf den Start warten – mit Tränen der Freude oder Angst in den Augen.

“Daran wirst Du Dich gewöhnen!”
Der Kickstarter kriegt endlich einen Tritt und das Abschiedskomittee verschwindet bald in einer Zweitaktwolke. Die ersten Meter sind schrecklich und schön zugleich. Und ziemlich wackelig. Denn Suse sitzt zum allerersten Mal auf der vollbeladenen Emme. Auf der einzigen Probefahrt vor zwei Tagen ins drei Kilometer entfernte Nachbardorf fing bei neunzig km/h das Motorrad an zu pendeln. “Das ist normal, daran wirst Du Dich gewöhnen!”

Tachostand bei Start: 1111 km

Suses Papa lässt es sich nicht nehmen, uns ein Stück auf seiner Suzuki zu begleiten. Hinter uns noch Abenteurerfreunde in ihrem knallorangen Bulli. Völlig ausgepowert und mit Anstrengung wach gibt Suse das “Ich-gewöhn-mich-erstmal-dran”-Tempo vor. Mit siebzig auf dem Tacho schleichen wir aus der Prignitz davon. Plötzlich fällt uns ein: Wir haben das Tanken vergessen.

ErsteMeter

Begleitung – wenigstens bis zur nächsten Tanke

Die erste Etappe: Etwa 300 km, Ziel: Borna bei Leipzig
“Na, ob das gut geht???!!!” Wir lassen die Gedanken der Zweifler mit Leichtigkeit hinter uns und sind so froh, dass die Räder rollen. Der größte Schritt ist getan: Losfahren. An diesem Tag summen beide Emmen etwa dreihundert Kilometer lang wie Bienen über die ostdeutsche Landstraße. Beruhigende Klänge. Überall, wo wir anhalten, kommen die Leute auf uns zu und wünschen Glück.

Es ist schon dunkel, als wir Leipzig passieren und danach endlich das erste Etappenziel erreichen: Borna. Mit zitternden Knien steigt Suse ab. Micha küsst und streichelt die Motorräder. Der Anfang einer neuen Liebe. Glückselig und totmüde sinken wir bei Michas Verwandten in die Matratze. Ach ja, Suse hat jetzt schon ihren ersten Durchfall. Die Aufregung.

Abschied in Borna

Abschied Nummer Zwei in Borna

Ganze drei Tage bleiben wir in Borna. Wir müssen erstmal runterkommen, bevor wir weiterkönnen. In der Werkstatt von Cousin Falk feilt Micha noch an den Maschinchen. Bei Suses MZ wird der Seitenständer vor die Koffer gesetzt, damit sie besser absteigen kann. Wir telefonieren noch ein paar Mal mit Touratech Nord, wo unser Austausch-GPS-Gerät von Garmin bleibt. Deren falsche Versprechungen sind nervtötend und darum fahren wir ohne los.

Am 21. Mai wird nochmal gedrückt und geknutscht. “Tschüss Borna, Tschüss liebes Sachsenland” und dann fahren wir weiter zur süddeutschen Grenze und nach Prag. Deutschland, auf Wiedersehen!


Ankunft in der Slowakei: Stress lass nach

23. Mai 2008

7 Tage und 1121 Kilometer weiter…
…sind wir abends auf einem Ferienlager im slowakischen Vápnik nahe der ungarischen Grenze angekommen. Uns geht’s gut, aber irgendwie können wir den Stress der letzten Wochen schlecht abschütteln. In der Prignitz waren wir nah am Ende unserer Kräfte abgefahren. Diese Anspannung steckt immer noch drin.

Etwa 200 km pro Tag bis Instanbul

Da wir für Osteuropa bis nach Istanbul nur zwei Wochen Zeit haben, müssen wir etwa zweihundert Kilometer am Tag fahren und können kaum einen Tag länger irgendwo bleiben. Immerhin haben wir uns drei Tage in Borna Zeit genommen, um letzte Schönheitsreparaturen an den MZ vorzunehmen und etwas runterzukommen. Eigentlich haben wir der Firma Garmin bzw. deren Handelspartner Touratech Nord in Hamburg diese Zwangspause zu verdanken. Die haben nämlich unser teures und nicht funktionierendes GPS-Gerät in Reparatur und können uns seit Ewigkeiten und tausend Anrufen kein Gerät nachschicken, dass wir ruhigen Gewissens mit auf Tour nehmen können. Wir warten nun im Ausland täglich auf den versprochenen Rückruf aus Deutschland, wann und wo wir das Gerät nun endlich in Empfang nehmen können.

Der Po sitzt wie auf Watte
Die Motorräder schnurren zufrieden vor sich hin. Bergauf hat Suse zwar den Eindruck, sie quält den Motor wie ein Sklaventreiber, aber der Zweitakter braucht eben eine etwas höhere Drehzahl. Das lässt sich nicht mit der XT vergleichen. Die breiten Einzelsitze erweisen sich als „arschfreundlich“. Wunderbar! Uns sitzt nur der letzte Stress im angespannten Nacken, aber es wird besser. Das Auf-/Absteigen und Ankicken der voll beladenen und etwa 250 kg schweren MZ gelingt Suse dank umgebauten Seitenständer mittlerweile ganz gut, auch wenn es nicht elegant aussieht. Ans neue Fahrverhalten hat sie sich schnell gewöhnt. Die Prozedur an der Tankstelle dauert jedes Mal eine Viertelstunde: Absteigen, Tankrucksäcke runter, Öl einfüllen, Sprit tanken, Bleiersatz dazugeben, Tankrucksäcke rauf, bezahlen, aufsteigen und weiterfahren.

Jeden Tag ein neuer Schlafplatz
Morgens lassen wir uns Zeit. Wir schlafen bis um 9 Uhr aus, machen uns frisch, essen was Kleines und packen unsere Sachen zusammen. Bis wir endlich wissen, wo was hingehört, dauert es noch eine Weile. Mittags geht’s dann auf die Motorräder, solange bis wir abends einen neuen Zeltplatz gefunden haben. Das Wetter spielt mit. Anfangs war es etwas grau, jetzt ist es frühsommerlich schön.
Wir sind ziemlich schnell von den stark befahrenen Hauptstraßen auf die Nebenstraßen ausgewichen und fahren hier durchschnittlich mit 70 Km/h durch die Landschaft. Die Straßen sind in gutem Zustand. Micha fährt meistens mit der Karte voraus.
Mit den Zeltplätzen sind wir bisher zufrieden; wir wissen eine saubere Toilette sehr zu schätzen. Auf dem Minicampingplatz am Prager Stadtrand kam uns der Platzwart gleich entgegen: „Dit wusst ick doch, dat da ne MZ kommt! Dit hab ick doch richtich jehört. Ick bin Berlina. Wir verstehn uns doch, wa?! Ick bin siebzich und war deutscher Meister im Jewichtheben.“ Unsere Postkarte hat einen Ehrenplatz in seinem Wohnwagen.

Erster Waschtag
Der erste Samstag unserer Reise ist Waschtag. Der Angstschweiß vom Tag der Abfahrt fing langsam an zu stinken. Beim Trocknen auf der Wäscheleine ist endlich auch Zeit fürs Tagebuch. Micha führt solange Statistik zu Kilometerstand und Kosten. Heute geht es weiter nach Ungarn, wo wir in Budapest bleiben wollen.


Vor den Toren Budapests

25. Mai 2008

Freier WLAN-Zugang in Ungarn

Grillfleisch & WLAN
Gestern Abend haben wir in einem Vorort von Budapest unser Zelt auf dem Hof eines Restaurants an der Donau aufgeschlagen. Bis hierher war es eine tolle Strecke über Hügel und kleine Dörfer entlang des Flusses. Beim Fahren kriecht Holunder- und Wiesenduft durch den Helm in die Nase (und wenn ich Micha zu dicht auffahre, Zweitakterluft). Im Restaurant feiern sie Hochzeit und im Biergarten spielt eine laute Altrockerband mit einem E-Gitarristen, der sich mit einem Solo nach dem nächsten zur Schau stellt. Wir haben uns mit einem Alster in eine ruhigere Ecke gesetzt und einen Berg Grillfleisch verdrückt. Vorm Schlafengehen hat Suse festgestellt, dass wir ein freies WLAN-Netz haben. Ein geiles Gefühl, im Zelt in Ungarn zu sitzen und zu surfen.

Erste Wartung der MZ
Den nächsten Morgen über nimmt sich Micha die Wartung der Motorräder vor: Ketten spannen und Unterbrecher/Zündung nachstellen. Nach dem Frühstück wollen wir weiter in Richtung Rumänien, dass schon etwas anders als die bisherigen EU-Länder ist. In drei Tagen wollen wir in Bukarest sein. Hier werden wir uns erstmals direkt in der Stadt aufhalten, in der Hoffnung, dass wir bei der DHL-Station endlich unser Garmin-GPS abholen dürfen.

Wartung der MZ


Rumänien: Stillstand und Moderne

29. Mai 2008

Bloß nicht die E68
Wir befahren Rumänien über die ungarische Grenzstadt Chisineu-Chris. Als wir noch einen Tankstopp einlegen, schnappt sich der junge Tankwart sein Handy, um seinen Bruder anzurufen. Plötzlich kommt dieser stolz mit seiner gut gepflegten MZ ETZ 250 um die Ecke. Er guckt sich unsere Umbauten genauestens an und würde am liebsten mitfahren.

Wir legen unsere Tagesroute entlang einer Nebenstraße über Ineu und Sebis fest. Auf den gut ausgebauten Europastraßen kämen wir zwar schneller voran, aber die Fahrt auf der E68 ist einfach nur schrecklich: stinkende, rasende LKW-Ketten und etliche Baustellen statt entspannter Fahrt durchs Land. Besonders Suse fühlt sich hier gestresst. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 kmh stellen wir auf den Fernstraßen ein fast übersehbares Hindernis dar und haben ständig einen Drängler im Rückspiegel.

Auf den Nebenstraßen schlängeln wir dagegen gemütlich durch die rumänischen Dörfer, immer ein konzentrierter Blick auf den Flickenasphalt, damit die Schlaglöcher uns nicht aus der verträumten Fahrt reißen. Die Menschen pfeifen und lachen uns zu. Auf den sonnigen Feldern sind ganze Familien mit Pferdewagen und Hacke bei der Arbeit; die Männer mit freiem Oberkörper, die Frauen im Kleid und Kopftuch. Suse erinnert das an Geschichten ihrer Oma. Hier ist – im Gegensatz zu den Städten mit sämtlichen deutschen Supermärkten – die Zeit stehen geblieben. Wir als Beobachter genießen die Romantik, gleichzeitig ahnend, wie hart das reale Landleben sein muss.

Rumänische Herzlichkeit: 5-Sterne-Unterkunft in Avram Iancu
Es sind 30 Grad und wir sind nach ein paar Stunden im Sattel schon wieder fix und fertig. Als wir durch eine saftgrüne Hügellandschaft fahren, über die die Bauern gerade ihre Kühe zurück ins Dorf treiben, halten wir an, um nach einer Möglichkeit zum Campen zu fragen. Wir sind im kleinen Dorf Avram Iancu angekommen. Georgia, der hier ein Sägewerk und eine Holzwerkstatt betreibt, guckt erst schüchtern übers Tor, als wir vor seinem Haus anhalten und weist uns gleich darauf mit seiner Hand und einem Lächeln den Weg auf sein Gehöft. Er lädt uns herzlich ein, zu bleiben. Wir sind froh und trinken mit ihm auf seiner selbst gebauten Holzschaukelbank am Fischteich entspannt ein Becks und verständigen uns mit Gestiken und dem Bildwörterbuch.

Als wir sein Vertrauen gewonnen haben, zeigt er uns stolz das Gelände und sein großes, frisch renoviertes Wohnhaus mit drei Bädern, das frisch nach Parkett riecht. Es ist neu möbliert, aber unbewohnt; er selbst und seine Frau leben im kleineren Bauernhaus auf der anderen Seite des Firmengeländes. Die beiden Töchter studieren in Abrud und wohnen nicht mehr zuhause. Wir haben nun also das große Haus für uns allein und schlafen bereits in der Dämmerung im Doppelbett glücklich ein.

Am nächsten Morgen bekommen wir noch Besuch von einer Frau aus dem Dorf, die sich ein bisschen mit uns auf Deutsch unterhalten möchte. Der Besuch aus Deutschland hat sich herumgesprochen, nachdem wir am Vorabend im Dorfladen (Magazin) Bier und was zu Essen eingekauft hatten. Viele der Rumänen, die wir treffen, sprechen unsere Sprache. Ihre Vorfahren gehören zu den deutschen Einsiedlern, von denen der größte Teil mit dem Fall der Mauer wieder zurück nach Deutschland auswanderte.

Hundsgebell am Salzsee von Ocna Sibiului

Wir übernachten am 28. Mai auf dem Zeltplatz auf einem Hügel am kleinen Salzsee bei Sibiu (Hermannstadt). Das Gelände sieht von hier oben wie eine mit Biergärten belagerte Baggerlandschaft aus. Wir ziehen die schwere Motorradkluft aus und machen uns unter den Freiluftduschen frisch. Jeder der Biergärten spielt laut die eigene, nervige Musik, obwohl kaum Gäste da sind. Als wir nach ein paar Zeilen aus den mitgenommenen Motorradzeitschriftberichten endlich eingeschlafen sind, werden wir in der Nacht durch das Gebell der obdachlosen Hunde geweckt, das mindestens eine halbe Stunde ununterbrochen über den See hallt. Am nächsten Morgen begrüßen uns andere Reisende aus Kalifornien und Ulm, mit denen wir uns kurz unterhalten.

Endlich: Auszeit vom Fahren im schönen Brasov (Kronstadt)
Kilometerstand 3113 km (Start: 1111 km). Etwa 200 Kilometer vor Bulgarien gönnen wir uns endlich zwei, drei Tage ohne Sachenpacken und Weiterfahren. Auf dem fast leeren Darste Campingplatz in Brașov mieten wir uns am Mittwochabend nach 6 Stunden Fahrt und geschafften 200 Kilometern einschließlich Serpentinen durch die Berge und einer Irrfahrt durch die Stadt für 15 Euro pro Nacht eine Finnhütte. Den nächsten Tag nehmen wir uns Zeit zum Wäschewaschen, für die Motorradwartung (Michas MZ verbraucht zu viel Sprit), zum Bloggen und natürlich für die Stadt. Hier sitzen wir draußen im Straßenrestaurant in der Innenstadt und nutzen wieder mal freien WLAN-Zugang.

Wahlkampf like Loveparade
Als wir in Rumänien sind, steht das Land kurz vor den Kommunalwahlen am 1. Juni. Die Parteien in grün, gelb und orange geben noch mal alles und fahren heiße Geschütze auf: In Brasov fährt ein Techno-LKW mit tanzenden, heißen Mädels auf der offenen Ladefläche vor uns durch die Straßen. In der Altstadt beschallt die Gegenpartei mit Clubmusik aus Riesenboxen den kompletten Marktplatz. Die Sonne scheint und wir gucken amüsiert den alten Leuten in Shirts ihrer Partei zu, die überhaupt nicht zum jungen Sound passen, aber völlig entspannt auf dem Platz zusammengekommen sind. Die ganze Stadt ist in den Farben ihrer Partei unterwegs und alle machen Wahlkampf in den letzten Zügen.

Noch am Anfang: Resümee nach 10 Tagen
Beim Frühstück stellen wir fest, dass sich bei uns Beiden immer noch keine innere Ruhe eingestellt hat. Der Luxusgedanke, dass uns ein ganzes Jahr Auszeit bevorsteht, ist immer noch nicht richtig durchgedrungen. Vielleicht, wenn wir in ein paar Tagen Istanbul erreicht und dort pausiert haben, bevor wir Europa hinter uns lassen?

Immerhin hat sich so langsam eine Art Arbeitsteilung bei allen Dingen eingestellt. Mit den MZ kommen wir auch gut zurecht. Wir telefonieren noch jeden Tag nach Deutschland, um unseren neuen Standpunkt durchzugeben. Das Garmin-GPS haben wir übrigens immer noch nicht (und auch keine Lust mehr auf blöde Ausreden am Telefon). Für gute Fotos und den richtigen Umgang mit der Kamera hatten wir bisher leider kaum Zeit. Den Kocher lassen wir auch meistens noch im Koffer, weil wir abends zu müde/faul zum Essen machen sind. Die Schlafausrüstung bewährt sich bestens. Andere Gegenstände befinden sich natürlich noch im Test.


Bulgarien: Wir machen Pauschaltourismus

2. Juni 2008

Von Brasov nach Silistra: Erste Schotterpiste
Am Samstag verlassen wir ausgeruht unser Brasov. Die 1A in Richtung Südwesten macht ihrem Namen alle Ehre: sanfte Kurven durch die Berglandschaft, kaum Verkehr und strahlend blauer Himmel. Wir halten an und installieren erstmals den Camcorder ans Motorrad, um zu filmen, wie Suse mit der MZ über die Hügel und Dörfer getourt. Am Abend sitzen wir gespannt vor unserer ersten Fahraufnahme und freuen uns über das Knattern und Qualmen bei Bergauf.

Als wir in Slobozia feststellen, dass wieder mal keiner der ringsum eingetragenen Campingplätze (mehr) existiert, fahren wir noch die paar zig Kilometer zur bulgarischen Grenze weiter. Kurz nach der Stadt wird die bisher gut und breit ausgebaute Straße plötzlich zur Baustelle und zur allergröbsten Schotterpiste. Suse kommt ins Schwitzen, bringt die MZ tapfer und hoch konzentriert durch und macht am Ende der etwa fünfzehn km Ruppelweg drei Kreuze.

Nach einem Zwischenstopp beim Pennymarkt in Calasari geht’s zur Donaugrenze. Hier setzen wir mit der Fähre nach Silistra in Bulgarien über. Es ist sieben Uhr abends und wir hoffen auf einen schönen Platz zum Zeltaufschlagen an der Donau. Auf der Fähre kommen wir sofort wieder über die MZ ins Gespräch mit den Leuten. Wemelin, Bulgare aus Silistra, bietet uns an, Gast bei ihm zu sein. Wir nehmen sein Angebot glücklich an.

Bei Wemelin im bulgarischen Plattenbau
Wemelin ist 54 Jahre alt, Chemielehrer und lebt in einer alten Plattenbauwohnung in der Grenzstadt Silistra. Seine Frau, Tochter und Enkel leben in der Nähe von Sofia. Als wir nach der bulgarischen Grenzkontrolle vor seinem Haus anhalten, kümmert er sich noch schnell darum, dass wir die Motorräder auf dem Hof gegenüber sicher unterbringen können. Als wir in der ersten Pforte mit den Koffern stecken bleiben, nehmen wir den Hof nebenan. Danach geht’s mit dem alten Fahrstuhl hoch in den dritten Stock ins Apartment Nr. 8. Wemelin ist unglaublich freundlich und wir fühlen uns, als wären wir Teil seiner Familie, der nach Jahren zu Besuch kommt.

Nach einer frischen Dusche zeigt er uns seine mehr als 1900 Jahre alte Heimatstadt und wir essen zu Abend auf der Terrasse eines einheimischen Gasthauses mit Blick auf den Fluss. Mit einem Mischmasch aus Englisch, Russisch, Deutsch und Gestik unterhalten wir uns den ganzen Abend lang – über Obama, Sozialismus, Kapitalismus und Atheismus. Morgens wartet er in seinem Wohnzimmer geduldig bis wir ausgeschlafen haben und verwöhnt uns mit frischem Rührei, Salami und Fetakäse. Als wir losfahren, verabschiedet er sich augenzwinkernd: „God bless your travel, Ihr Atheisten!“

Nix Camping am Schwarzen Meer
Es ist Sonntag und wir fahren im leichten Regen nach Varna. Die Regenkleidung wird das erste Mal ausgepackt. Auf der Straße sind viele Bauern mit Pferdewagen zur Feldarbeit unterwegs. In Varnas Zentrum angekommen stellen wir uns bei McDonalds unters Dach und warten einen Regenschauer ab. Der Fastfoodtempel ist überlaufen mit Familien, die scheinbar einen Sonntagsausflug hierher machen. Als der WLAN-Zugang abbricht und der Regen aufhört, fahren wir an der Schwarzmeerküste entlang nach Süden.

Auf der Suche nach einer Campingmöglichkeit am Meer heißt es immer nur: „Nix Camping. Geschlossen. Nur Hotel.“ Als wir dem einzigen Straßenschild „Camping Luna“ nahe Bejala folgen, landen wir vor einer dubiosen Hütte, vor der drei Männer sitzen, Bier trinken und verwahrloste Hunde unsere Motorräder anbellen. Sie bieten uns einen dreckigen Bungalow für 10 Euro die Nacht an. Wir haben nicht nur wegen der Müllberge ringsum ein schlechtes Gefühl und machen schnell, dass wir weg kommen.

Ein paar Kilometer weiter im Touristenareal Sonnenstrand ziehen wir im Balkan-Hotel für zwölf Euro die Nacht ein. Bereits vor zwei Jahren hatten wir in diesem Teil Bulgariens einen Kurzurlaub gemacht und uns über die Hotelstadt und etlichen Baustellen gewundert.

Am Sonntagabend angekommen freuen wir uns diesmal über das einfache Zimmer, die Dusche, das Bett und die frischen Handtücher. Wir machen noch einen Strandspaziergang und verbringen die bisher entspannteste Nacht unserer Reise. Hier verweilen wir noch einen Tag länger bis es auf die letzte Etappe innerhalb Europas, d.h. nach Istanbul geht.



MZ: Echt ein Renner!

2. Juni 2008

Ahhh… Em Se!
Wir hatten es ja bereits vermutet und merken bereits jetzt, nach zwei Wochen unserer Reise: Mit den beiden MZ haben wir die Sympathie auf unserer Seite. Ob bei der Verabschiedung in unserem Heimatstammlokal in Kolrep, beim allerersten Tankstopp in Havelberg, bei Zwischenstopps in Tchechien, bei den Slowaken, in Ungarn, den rumänischen Karpaten oder an der Schwarzmeerküste in Bulgarien: die Emmen erregen jedes Mal Aufsehen. Oft werden wir direkt auf die Motorräder angesprochen und finden über nur zwei Buchstaben schnell Kontakt zu den Menschen: „Em Se (MZ), good Maschina!“ oder Ähnliches hören wir oft.

I have no words
Allein als Reisende mit dem Motorrad werden wir anders wahrgenommen: Während der Fahrt wird uns zugewunken, zugelacht, gehupt oder alles gleichzeitig. In Brasov in Rumänien werden wir sogar gefilmt und fotografiert. Oft bemerken die Leute erst beim zweiten Hingucken überrascht, dass es sich nicht um Reiseenduros a`la GS oder XT handelt, sondern um ein Motorrad, dass sie gut aus alten Zeiten kennen, in denen Osteuropa und das Herkunftsland der MZ noch sozialistische Bruderstaaten waren.

Bei der Abreise vom Restauranthof in Ungarn kam der eher reservierte Restaurantbesitzer regelrecht herausgestürmt, als er die vertrauten Klänge (oder war es doch der Geruch) hört. Er strahlt uns aus der blauen Dunstwolke an wie ein kleiner Junge, hält beide Daumen nach oben und wünscht uns eine gute Reise.

Vasili vom Zeltplatz nahe Sibiu hatte früher selbst eine 175er ES. Leider war die Ersatzteilversorgung in Rumänien bescheiden und so wurde oft improvisiert. Bei seinem Zschopauer Eisenschwein musste bspw. ein Trabikolben als Ersatzteil herhalten – mit dem Nebeneffekt, dass seine MZ nun mehr 300 ccm Hubraum hatte, erzählt er uns grinsend.

Ein paar hundert Kilometer weiter in Ploiestri hält ein roter VW neben uns. Der Fahrer guckt auf die beladenen Emmen und fragt erstaunt: „You are Globetrotter?“ Als wir beide nicken, erzählt er uns, dass er selbst Motorrad fährt, heute eine Yamaha, und als Mechaniker arbeitet. Aus Zeitgründen sei er leider nur ein „Sunday Biker“. Als wir unsere geplante Reiseroute zeigen, kann er es kaum glauben: „I have no words!“ Nach kurzem Fachsimpeln mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Englisch verabschieden wir uns. Für den Fall, dass wir Hilfe brauchen, drückt er uns noch schnell einen Zettel mit seiner Adresse und Telefonnummer in die Hand.


Merhaba Türkiye! – Hallo Türkei!

4. Juni 2008

Grenzerfahrung
Wir haben die EU verlassen und am 3. Juni türkischen Boden betreten. Merhaba Türkiye! Bis hierher waren die europäischen Landesgrenzen kaum mehr als solche zu erkennen. Aber jetzt: Dreieinhalb Stunden haben wir die türkische Grenzstation nahe Kirklareli und ihr höfliches Personal kennengelernt. Unsere internationale Zulassung fürs Motorrad hat nämlich kein Feld fürs Erstzulassungsdatum vorgesehen. Das aber muss der Grenzkontrolleur im Büro der Fahrzeugregistrierung für seine Unterlagen haben. Was nun, die nationalen Zulassungspapiere mit dem so wichtigen Datum hat doch das deutsche Zulassungsamt in Perleberg einbehalten? Nach ein paar Telefonaten mit der Dame vom Amt wurde uns das Dokument erst als unleserliches Fax und später dann als E-Mail zur Grenzstation gesendet. Die Kontrolleure waren zufrieden und wir konnten endlich weiter. Na das fängt ja gut an.

Um sechs Uhr abends fahren wir endlich weiter. Kühler, starker Wind von vorn weht uns entgegen. Wir knüpfen uns sogar das Innenfutter in die Jacken. Und dann fällt Suse auch noch fast der Auspuff ab, die Schraube an der hinteren Aufhängung hat sich wahrscheinlich noch in der EU von uns verabschiedet. Naja, muss eben Draht her. Wir haben einen wunderschönen Sonnenuntergang im Rückspiegel und schaffen die 243-Kilometer-Strecke bis nach Istanbul leider nicht mehr. Also übernachten wir im kleinen, aber sehr lebendigen Ort Saray.

Saray: Erste Begegnung zum Tee
Das einzige Hotel im Ort ist das kleine Saray-Hotel in einer bunten Ladenstraße. Die Treppe nach oben, der kleine Empfangsflur mit laufendem Fernseher und die vier Zimmerchen, die von hier aus abgehen, sind rosa-rot gehalten. Wären wir jetzt in Hamburg, wäre klar, wo wir gelandet sind, aber hier scheint der Hoteleigner einfach nur einen etwas speziellen Geschmack zu haben. Die Dusche und ein Hockklo müssen wir uns mit den anderen Gästen teilen.

Unsere beiden MZ-Packesel stehen friedlich ein paar Straßen weiter auf dem Hof der Mutter des Hoteliers. Sie passten mit dem Hinterteil mal wieder nicht durch die Tür des benachbarten Schuhladens, wo wir sie zunächst unterstellen sollten.

Als wir im Hotelbett liegen, hören wir durchs offene Fenster zum ersten Mal ein Abendgebet über die Lautsprecher der Moschee. Der Sprechgesang klingt in unseren Ohren wie ein Willkommensgruß. Wir sind im Orient angekommen. Bei Sonnenaufgang werden wir erneut vom Gebet geweckt. Als wir auf die Motorräder steigen wollen, um weiter zu fahren, sprechen uns die Leute im Vorbeigehen auf der Ladenstraße an.

Burhanettin kommt zusammen mit einem Freund aus seinem Geschäft iPRAGAZ auf die Straße und fragt neugierig, wohin wir weiterfahren möchten. Bevor es losgehen kann, besteht er mit typisch türkischer Gestik erst einmal auf einen Tee mit uns in seinem Laden. Als wir lächelnd annehmen, wird sofort ein junger Mann losgeschickt, um uns frischen Tee und warmes Gebäck zu besorgen. Wir genießen unser spontanes Frühstück und tauschen über ein bisschen Englisch türkische Wörter aus: Guten Tag, danke und „Wie geht’s“? Zum Abschied beschenkt uns Burhanettin noch mit einem Gaskocher und Feuerzeugen. Der erste Morgen in der Türkei hat super angefangen und wir setzen uns zufrieden auf die MZ nach Istanbul.


Metropole Istanbul

6. Juni 2008

Über den Mond zum Taksim-Square in Istanbul
Wir wollten die türkische Megacity, in der mittlerweile mindestens ein Fünftel der Türken lebt, nicht unbedingt quer über die Autobahn einfahren. Eigentlich hat uns bisher fast jeder empfohlen, dass wir uns das istanbulische Verkehrschaos gar nicht erst antun und irgendwo außerhalb der City unterkommen sollen, um dann mit Bahn/Taxi in die Stadt zu fahren. Aber nein, wir hatten über einen netten Bekannten aus Istanbul die Adresse für ein schönes Hostel nahe des zentralen Taksim-Platzes in der Tasche und das haben wir ohne Stadtplan, aber guten Mutes angesteuert.

Bevor wir uns dann doch auf einer vierspurigen Stadtautobahn wiederfanden, endete unsere Landstraße noch kurz vor Istanbul in einer Art Mondlandschaft, auf der Bau-LKW wie Ameisen hin und her fuhren und unsere MZ mitten drin im grauweißen Staub. Die Straße führte durch ein Steinbruchgebiet; wir machten unser Fernlicht an und steuerten den halb Schotter-, halb Asphaltweg entlang. In Istanbul angekommen sehen die Moppeds nun endlich auch nach „Weltreise“ aus.

Weiter in der Stadt folgen wir dem Wegweiser „Taksim Square“. Der Verkehr staut sich, die Straßen sind steil und in allem Gewusel streikt dann bei Suse an der roten Ampel bergauf die Kupplung. Hinter ihr drängeln die hupenden Autos und Busse, bis wir das Motorrad an den Straßenrand schieben. Mit ein paar Handgriffen war die Kupplung wieder eingestellt. Zehn Minuten und einen Liter Schweiß später dasselbe Prozedere bei Micha.

Chambers of the Bohème für Members of the Bohème
Ein paar Straßenkreuzungen weiter kommen wir dann endlich in der kleinen Gasse mit dem Hostel „Chambers of the Bohéme“ an. Hier begrüßt uns Besitzer Ahmet in fließendem Englisch und mit trockenem Humor: „Das ist das Zimmer, Duschen und Toilette gibt es leider nicht. Da müsst ihr nebenan ins Cafè!“ Den Witz konnte er sich, so wie wir Beide aussahen und rochen, nicht verkneifen.

Wer Istanbul besuchen möchte: Wir können das stilvolle Hostel für 12 Euro pro Nacht/Person inkl. kleinem Frühstück sehr empfehlen: Fotos und Adresse.

Wir werden hier etwa eine Woche wohnen und aus Istanbul berichten. Ein paar Bilder sind schon online.

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7. Juni 2008: Wir betreten Asien!
Istanbul ist der Scheitelpunkt unserer Eurasienreise. In der einzigen Stadt der Welt, die auf zwei Kontinenten liegt, können wir uns täglich für den Aufenthalt entweder in Europa oder Asien entscheiden.
Die Nächte verbringen wir noch in Europa. Am heutigen Samstag jedoch haben wir per Fähre über den Bosporus und Weiterfahrt mit dem Minibüs den höchsten Hügel Istanbuls – Camlica – besucht und damit erstmals Asien betreten.

Die Bosporusbrücke verbindet Europa mit Asien

Camlica ist am Wochenende ein beliebtes Ausflugziel für die Istanbuler und so wie es aussieht, ein beliebter Ort für Hochzeiten. Wir haben hier neben der wundervollen Aussicht auf die weit reichende Megacity gleich zwei türkische Brautpaare bewundern dürfen. Um 17 Uhr hören wir beim Blick auf die Bosporus-Brücke aus dem Tal gleichzeitig aus mehreren Moscheen die Vorgebete aus den Minaretten. Eine einmalige Atmosphäre. In diesem Teil Istanbuls sehen wir auch viel mehr – teilweise bis auf die Augen – verhüllte Frauen, als im europäischen und westlich geprägtem Stadtteil Beyoglu, in dem wir dieser Tage wohnen. In Beyoglu laufen Teenager mit Mangafrisuren, Transen, Touristen wie wir und gestylte Türken durch die Gassen. Auf jeden Fall sehen wir überall deutlich mehr Männer als Frauen auf der Straße.

Als Tourist in Istanbul

Wir geben uns wirklich Mühe, nicht wie ein Tourist zu wirken. Statt mit Fototasche und Rucksack laufen wir mit einem Einkaufsbeutel herum. In den beliebten Vierteln der Stadt werden Touristen überall sofort erkannt und zum Essen oder Kaufen überredet. Für den Weg über die Galata-Brücke vorbei an der Kette der Fischrestaurants im Untergeschoss haben wir mittlerweile mehrere Tricks ausprobiert, um nicht von jedem Kellner zu Tisch gebeten zu werden: 1. im Laufschritt passieren und gestresst tun, 2. dankend ablehnen auf Türkisch, 3. nacheinander (also nicht als Pärchen) entlang gehen und 4. eine türkische Tageszeitung unter den Arm klemmen. Damit schafft man es ganz gut durch den Touri-Spießrutenlauf.

Istanbul hat für Touristen viel zu bieten: Riesige Moscheen, Basare, Paläste, Brücken, Museen, gutes Essen, tausende Läden… Da wir Beide keine Lust auf ein anstrengendes Abreiten sämtlicher Sehenswürdigkeiten haben, gehen wir jeden Tag spontan auf die Straße und entdecken nach und nach die schönsten Dinge der Stadt für uns. Ahmet, der Hostelbesitzer, gibt uns ein paar Tipps.

Wir nehmen uns viel Zeit zum Rumschlendern. Wir haben bei angenehmstem Wetter die Neue und Blaue Moschee, den Topkapi-Palast, den Großen Basar und das Archäologische Museum besucht, bei Sonnenuntergang den Galataturm bestiegen und eine lange Bosporustour gemacht. Zwischendurch genießen wir türkischen Tee und zum Abendessen einheimische Spezialitäten.

In der Blauen Moschee

Die Menschen, die wir treffen, sind offenherzig, hilfsbereit und fröhlich. Alle, die wir vor dem Fotografieren um Erlaubnis fragen, freuen sich über die Aufmerksamkeit und stellen sich gerne als Motiv zur Verfügung. Es gibt allerdings auch ein paar Gauner in der Stadt, die es auf unser Geld abgesehen haben: Zunächst ein kleiner, netter Smalltalk auf Englisch und ehe man sich umsehen kann, soll man für geputzte Schuhe 10 Euro bezahlen.


Zentralasien naht: Abfahrt ins Abenteuer

11. Juni 2008

Kilometerstand 4141: Abschied aus Europa und Istanbul
Morgen früh um sechs Uhr, noch vor dem Berufsverkehr, ist es Zeit für die Weiterfahrt auf der etwa 1.500 km langen, türkischen Schwarzmeerküstenstraße bis nach Georgien. Wir haben heute beim Gümrük Dairesi (Zollamt) in Istanbul mit dem nachgeschickten nationalen Zulassungsschein für die MZ noch unsere Aufenthaltsgenehmigung verlängert und damit bleibt uns genug Zeit für die Fahrt bis zur Grenze bei Sarpi.

Nach einer Woche Großstadt freuen wir uns auf die türkische Provinz. Wir werden das Land noch bis zum 22. Juni erkunden. Unser letzter Abend in Istanbul war der Schönste: Wir wurden von einem Händler am Bosporus zum Feierabendtee mit seinen Freunden vor dem Geschäft mit Blick aufs Goldene Horn eingeladen. Mit dabei in der Männerunde war ein echter Imam, der uns vorgesungen hat. Als wir seine kleine Moschee nebenan besichtigen wollen, holt Suse ihr Kopftuch aus der Tasche und alle Männer rufen Bravo und freuen sich. Zum Abschluss des Feierabends und bei Sonnenuntergang lädt uns der Händler noch zu einer kleinen Runde auf dem Bosporus mit dem Taxiboot ein. Danach chauffiert er uns ins Hostel zurück. Wir sind gerührt, mit welcher Herzlichkeit er uns begegnet. Und er wird dafür belohnt: Die Türkei hat kurz darauf 2:1 gegen die Schweiz in der Fußball-EM gewonnen. Die ganze Stadt feiert!

Es wird ernst…

Jetzt, wo wir asiatische Wege befahren werden, kommt ein anderes Gefühl in uns auf. Das Abenteuer rückt spürbar näher: Wie werden wir die nächsten Grenzübergänge überstehen und wie erst den 5-Tage-Transit quer durch Turkmenistan bei Wüstenhitze und schlechter Straße? Und wie werden wir die obligatorischen Einladungen zum Wodka und die Höhen des Pamirs vertragen? (Wie) wird die Einreise nach Indien via China klappen?

Julian, ein Amerikaner, den wir kürzlich im Hostel getroffen haben und der ein Jahr lang in Baku studiert, erzählte uns ein bisschen über die Leute, Landschaften und Straßen im Kaukasus. In Aserbaidschan reist man auf unentdeckten Pfaden; hier gibt es noch das wahre Abenteuer. Baku am Kaspischen Meer ist vom Ölboom gezeichnet. Das vorher zu durchreisende Georgien soll einfach nur schön und Tiflis eine faszinierende Stadt sein. Hier werden wir auch erstmals unsere Russischkenntnisse ausgraben, nachdem wir bisher mit Englisch bestens durchgekommen sind. Also dann: Doswidanja! Wir werden weiter berichten…