
Über den Mond zum Taksim-Square in Istanbul
Wir wollten die türkische Megacity, in der mittlerweile mindestens ein Fünftel der Türken lebt, nicht unbedingt quer über die Autobahn einfahren. Eigentlich hat uns bisher fast jeder empfohlen, dass wir uns das istanbulische Verkehrschaos gar nicht erst antun und irgendwo außerhalb der City unterkommen sollen, um dann mit Bahn/Taxi in die Stadt zu fahren. Aber nein, wir hatten über einen netten Bekannten aus Istanbul die Adresse für ein schönes Hostel nahe des zentralen Taksim-Platzes in der Tasche und das haben wir ohne Stadtplan, aber guten Mutes angesteuert.
Bevor wir uns dann doch auf einer vierspurigen Stadtautobahn wiederfanden, endete unsere Landstraße noch kurz vor Istanbul in einer Art Mondlandschaft, auf der Bau-LKW wie Ameisen hin und her fuhren und unsere MZ mitten drin im grauweißen Staub. Die Straße führte durch ein Steinbruchgebiet; wir machten unser Fernlicht an und steuerten den halb Schotter-, halb Asphaltweg entlang. In Istanbul angekommen sehen die Moppeds nun endlich auch nach „Weltreise“ aus.
Weiter in der Stadt folgen wir dem Wegweiser „Taksim Square“. Der Verkehr staut sich, die Straßen sind steil und in allem Gewusel streikt dann bei Suse an der roten Ampel bergauf die Kupplung. Hinter ihr drängeln die hupenden Autos und Busse, bis wir das Motorrad an den Straßenrand schieben. Mit ein paar Handgriffen war die Kupplung wieder eingestellt. Zehn Minuten und einen Liter Schweiß später dasselbe Prozedere bei Micha.
Chambers of the Bohème für Members of the Bohème
Ein paar Straßenkreuzungen weiter kommen wir dann endlich in der kleinen Gasse mit dem Hostel „Chambers of the Bohéme“ an. Hier begrüßt uns Besitzer Ahmet in fließendem Englisch und mit trockenem Humor: „Das ist das Zimmer, Duschen und Toilette gibt es leider nicht. Da müsst ihr nebenan ins Cafè!“ Den Witz konnte er sich, so wie wir Beide aussahen und rochen, nicht verkneifen.

Wer Istanbul besuchen möchte: Wir können das stilvolle Hostel für 12 Euro pro Nacht/Person inkl. kleinem Frühstück sehr empfehlen: Fotos und Adresse.
Wir werden hier etwa eine Woche wohnen und aus Istanbul berichten. Ein paar Bilder sind schon online.
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7. Juni 2008: Wir betreten Asien!
Istanbul ist der Scheitelpunkt unserer Eurasienreise. In der einzigen Stadt der Welt, die auf zwei Kontinenten liegt, können wir uns täglich für den Aufenthalt entweder in Europa oder Asien entscheiden.
Die Nächte verbringen wir noch in Europa. Am heutigen Samstag jedoch haben wir per Fähre über den Bosporus und Weiterfahrt mit dem Minibüs den höchsten Hügel Istanbuls – Camlica – besucht und damit erstmals Asien betreten.

Die Bosporusbrücke verbindet Europa mit Asien
Camlica ist am Wochenende ein beliebtes Ausflugziel für die Istanbuler und so wie es aussieht, ein beliebter Ort für Hochzeiten. Wir haben hier neben der wundervollen Aussicht auf die weit reichende Megacity gleich zwei türkische Brautpaare bewundern dürfen. Um 17 Uhr hören wir beim Blick auf die Bosporus-Brücke aus dem Tal gleichzeitig aus mehreren Moscheen die Vorgebete aus den Minaretten. Eine einmalige Atmosphäre. In diesem Teil Istanbuls sehen wir auch viel mehr – teilweise bis auf die Augen – verhüllte Frauen, als im europäischen und westlich geprägtem Stadtteil Beyoglu, in dem wir dieser Tage wohnen. In Beyoglu laufen Teenager mit Mangafrisuren, Transen, Touristen wie wir und gestylte Türken durch die Gassen. Auf jeden Fall sehen wir überall deutlich mehr Männer als Frauen auf der Straße.
Als Tourist in Istanbul

Wir geben uns wirklich Mühe, nicht wie ein Tourist zu wirken. Statt mit Fototasche und Rucksack laufen wir mit einem Einkaufsbeutel herum. In den beliebten Vierteln der Stadt werden Touristen überall sofort erkannt und zum Essen oder Kaufen überredet. Für den Weg über die Galata-Brücke vorbei an der Kette der Fischrestaurants im Untergeschoss haben wir mittlerweile mehrere Tricks ausprobiert, um nicht von jedem Kellner zu Tisch gebeten zu werden: 1. im Laufschritt passieren und gestresst tun, 2. dankend ablehnen auf Türkisch, 3. nacheinander (also nicht als Pärchen) entlang gehen und 4. eine türkische Tageszeitung unter den Arm klemmen. Damit schafft man es ganz gut durch den Touri-Spießrutenlauf.
Istanbul hat für Touristen viel zu bieten: Riesige Moscheen, Basare, Paläste, Brücken, Museen, gutes Essen, tausende Läden… Da wir Beide keine Lust auf ein anstrengendes Abreiten sämtlicher Sehenswürdigkeiten haben, gehen wir jeden Tag spontan auf die Straße und entdecken nach und nach die schönsten Dinge der Stadt für uns. Ahmet, der Hostelbesitzer, gibt uns ein paar Tipps.
Wir nehmen uns viel Zeit zum Rumschlendern. Wir haben bei angenehmstem Wetter die Neue und Blaue Moschee, den Topkapi-Palast, den Großen Basar und das Archäologische Museum besucht, bei Sonnenuntergang den Galataturm bestiegen und eine lange Bosporustour gemacht. Zwischendurch genießen wir türkischen Tee und zum Abendessen einheimische Spezialitäten.
In der Blauen Moschee
Die Menschen, die wir treffen, sind offenherzig, hilfsbereit und fröhlich. Alle, die wir vor dem Fotografieren um Erlaubnis fragen, freuen sich über die Aufmerksamkeit und stellen sich gerne als Motiv zur Verfügung. Es gibt allerdings auch ein paar Gauner in der Stadt, die es auf unser Geld abgesehen haben: Zunächst ein kleiner, netter Smalltalk auf Englisch und ehe man sich umsehen kann, soll man für geputzte Schuhe 10 Euro bezahlen.